Seide und Seidenbau. 229
Am besten findet man den nöthigen Grad der Wärmefür diese Seide, wenn mart genau untersucht, wie dieSeide von den Cocons, die man zuerst in das Beckenthut, herabkommt; findet man, daß sie zu dick abgeht,so setzt man nach und nach kaltes Wasser zu, bis mandie gehörige Temperatur gefunden hat. Man darf dieseCocons nicht lange in heißem Wasser liegen lassen, undnur einige derselben auf einmal ins Wasser thun. Ach-tet man hierauf nicht, so lauft die Seide zu dick ab,wodurch der Faden bei dem Abwinden alle Augenblickebricht, wo dann nicht bloß die Seide selbstgrößtentheilSverloren geht, sondern auch diejenige, die man erhält,grob und ungleich wird. Auch die Beschaffenheit desWassers, welches man sich zum Haspeln bedient, istnichts weniger, als gleichgültig. Am besten soll dazudas Regen - oder Flußwasser seyn, weil eö weicher ist.In der Lombardey zieht man, nach dem Herrn v.Türk,das Wasser aus den großen Seen allem andern vor;man sucht es aber noch sorgfältiger zum Haspeln vor-zubereiten. Es befindet sich nämlich bei jeder großenHaspel-Anstalt, Filanda, ein großes Gefäß, das denSonnenstrahlen ausgesetzt ist, und das man schon meh-rere Lage vor dem Haspeln mit dem dazu bestimmtenWasser füllt, damit solches noch weicher werde; auchthut man wohl noch etwas Mehl, Stroh rc. in diesesWasser. Diese weiche Beschaffenheit des Wassers sollso wesentlich bei dem Abhaspeln der Cocons seyn, daßder eben erwähnte Schriftsteller es nicht genug denSeidenbauern in Deutschland anrathen kann, sich flie-ßenden Wassers zu bedienen, ja selbst die Kosten nichtzu scheuen, um ein solches, wenn man es nicht in derNahe haben sollte, von dem nächsten See oder Flußherbeifahren zu lassen.
Bei dem Klopfen der Cocons im Becken mit demRüthchen, muß solches nur ganz leise geschehen; dennbeim starken Klopfen kleben die Fäden zusammen, statt