Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
Seite
232
JPEG-Download
 

232

Seide und Seidenbau.

auf eine kleine Hand voll roher Seide, wäscht sie, umsie gehörig zu reinigen, drückt sie aus, und taucht sie inkaltes Wasser, und mit derselben reibt man mit der fla-chen Hand mehrere Male die Seide auf dem Haspelringsherum ab, und klopft mit dem Ballen der Handauf. Hierauf wird etwas kaltes Wasser auf die Seidegegossen, und dann der Haspel mit der größten Schnel-ligkeit acht bis zehn Minuten lang herumgetrieben, umalles Wasser wegzuschnellen; dann wird der Haspelabgenommen und aufeinen luftigen, aber nicht sonnigenPlatz gestellt, damit die Seide vollkommen trockne,welches ungefähr in sechs bis acht Stunden geschieht,oft gehört auch eine längere Zeit dazu, wenn nämlichdie Seide etwas zu »aß geworden seyn sollte. Wenn sietrocken ist, wird sie von dem Haspel herunter genommen.Auf diese Weise behandelt, wird sie rein und glänzend.Der Sonne darf man sie darum nicht aussetzen, weilsie ihre Farbe verlieren und auch verderben würde.Sobald der Haspel abgenommen worden, steckt man ei-nen neuen auf, damit die Arbeit nicht unterbrochenwird, und sorgt dafür, daß die Seide auf den Haspelnicht zu dick aufgetragen werde, wodurch die Fädenzusammenkleben würden.

Von den Doppelcocons werden mehrere auf einmalin das Becken gethan, wenn sie nämlich vorher vonaller ausserhalb anhängenden rauhen Seide gereinigetworden, damit sie in dem Becken gehörig spielen. DasWasser muß siedend heiß seyn. Wenn bei dem Abwin-den der feinen Seidesich immer zwei Strähnen zugleichauf dem Haspel befinden, so beschränkt man sich beimAbwinden der Doppelcocons bloß auf eine.

Daß das Abwinden der Seide, wie auch schon oben,S. 222, gesagt worden, bei der ganzen Seidenzucht dieHauptsache ist, damit kommen alle rationel gebildetenSeidenzüchter, Seidenfabrikanten rc. überein, und Hr.von Türk hat sehr Recht, wenn er sagt: „die Kunst