234 Seide und Seidenbau.
filing waren, wurde das Gespinnst jeder einzelnen Ha-splerin mit ihrem Namen bezeichnet, die Feinheit aufderDenter-Wage geprüft, dann wurden die Personen, wel-che die feinsteSeide gehaspelt hatten, belohnt, diejenigenaber, welche nicht fein genug oder nachläßig gehaspelthatten, entlassen. Eine Hasplerin sammt dem Mäd-chen, das den Haspel dreht, soll im ersten Fall, das heißt,wo zwei Strähnen auf dem Haspel sind, also bei feinerSeide, für das Pfd. derselben 10 Sgr.; im zweite»Fall, also für die 8 Pfd. grobe Seide, nur eben so vielTagelohn erhalten, wie für jenes ein Pfd. Der Ar-beitslohn bei sehr feiner Seide soll um 8 Sgr. 4 Pf.oder um ungefähr 30 Kreuzer für das Pfund höher zustehen kommen; dagegen der Werth der Seide um 3^bis 5 Rthlr, xpo Pfd. erhöhet werden.
Auch der Herr MechanikuS Ernst in Berlin, dersich um denSeidenbau in Preußen durch die Erfindung ei-nes neuen Seidenhaspels und einer Moulinier-Maschine,sy wie auch durch den praktischen Unterricht, den er seiteinigen Jahren jungen Mädchen im Haspeln derSeide von den Cocons ertheilt, sehr verdient gemachthat und noch macht, ist auch der Meinung, daß die frü-here Seidenzucht in Deutschland, namentlich in Preu-ßen, ihren schlechten Fortgang nur den schlechten Haspel-anstalten zu verdanken gehabt habe; denn selbstjetzt fehlees noch an guten Hasplerinnen, und in den Attesten,die sich Herr Ernst über den Werth und die Brauch-barkeit seines erfundenen Haspels von den Seidenbau-verständigen und Seidenfabrikanten hat geben lassen,wird von den Letzteren ganz unverholen geäußert, daßwenn die Seide aus den Eeidenbauanstalten des Vater-landes nicht besser gehaspelt geliefert würde, als es bisjetzt geschehen, sie auf dieselbe keine Rücksicht nehmenkönnten, und ihre Seide nach wie vor auöJkalien kom-men lassen würden. Die von dem Herrn Ernst aufseinem erfundenen Haspel und nach seiner Anweisung