236 Seide und Seidenbau.
einer Temperatur von 70 bis 72 Grad Reaum. habenmuß; und wenn sie auch dieselben zuweilen abkühlt, in-dem sie solche in kaltes Wasser sseckt, so leiden dennochsehr die Spißen der Finger; und 4) geschieht das Has-peln sehr oft in engen Räumen, wo der fast unerträg.liche Geruch der Cocons um so fühlbarer wirk — Die-ses Unangenehme, welches mit dem Haspeln verbundenist, scheuchte bisher Viele von dem Haspeln zurück, unddieses bewog auch den Herrn von Türk auf seinenReisen in Italien sich nach einer bessern Methode um-zusehen. Er war auch so glücklich einige Verbesserun-gen in dieser Hinsicht zu entdecken. Von Aosta an bisTurin und in dessen Umgegend fand er noch das obenbeschriebene Verfahren beim Haspeln; nur waren da-selbst lustige Räume gewählt, wo die Luft freien Zutritthatte, um den nachtheiligen Einfluß der übelriechendenDämpfe, die aus den todten Puppen der Cocons imheißen Wasser beim Haspeln aufsteigen, zu vermindern,und die Seide auf den Haspeln gehörig und schnell zutrocknen. In der Gegend von Mayland fand HerrvonTürk in einer Haspel-Anstalt eine Vorrichtung,wo die sämmtlichen Kessel, die das heiße Wasser zumHaspeln enthielten, durch heiße Dämpfe, die in Röhrendurch dieselben geleitet wurden, erwärmt wird. Da-durch werden zwei Nachtheile vermieden; erstens dasSißen der Hasplerjn am heißen Ofen, und zweitensihre gezwungene Stellung. Ein solcher Dampf-Ap-parat ist aber kostbar und läßt sich vielleicht nur imGroßen anwenden. Bei einem Herrn Mylius inMayland lernte Herr vonTürk jedoch ein Verfahrenkennen, daß allen seinen Wünschen für ein zweckmäßigesVerfahren beim Hafteln vollkommen entsprach. Ineinem langen, verhältnißmäßig breiten und hohen Ge-bäude von einem Stockwerke, fand derselbe 120 Haspelzu gleicher Zeit im Gange, die durch ein Wasserrad ge-trieben wurden', das ein naher Bach in Bewegung