Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
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Seide und Seidenbau. 237

setzte. Die Cocons wurden zuerst einer Person über-geben, die vor einem Gefäße mit heißem Wasser saß,und damit beschäftiget war, die Cocons in das Wasserzu werfen, und durch Hülfe eines kleinen Besens denAnfang des Fadens vom Cocon abzulösen, ohne daßihre Finger das Wasser berührten, so wie solches beietwa zehn oder zwölf Cocons geschehen war, schöpftesie dieselben mit einem Durchschlage heraus und warfsie in ein kupfernes Gefäß, das mit kaltem Wasser an-gefüllt war, das heißt, mit Wasser, welches anfangsnur eine Temperatur von20Grad hatte, die zwar durchdie hineingeworfenen, aus dem heißen Wasser kommen-den Cocons etwas erhöhet wurde, die man aber nie über31 Grad steigen ließ, indem man immer das wärmereWasser fortschaffte, und es durch kaltes wieder ersetzte.Dieses Verfahren, auS kaltem oder lauwarmen Wasserzu Haspeln, gewährt für die Hasplerinnen folgende Vor-theile: 1) daß sie ihre Finger schonen, und sie nicht imheißen Wasser verbrühen; — 2) daß sie gerade vor demWasserbecken in ungezwungener Stellung sitzen können;— 3) daß sie nicht von der Hitze des Feuers leiden,welches man, bei dem gewöhnlichen Verfahren, unterdem Haspelkessel stets unterhalten muß; und 4) daß sieselbst den Haspel sogleich anhalten können, wenn etwader Faden reißt, während sie sonst der Dreherin erst zu-rufen mußten. — Dieses Verfahren ist daher der Ge-sundheit weit angemessener, welches sich daraus ergeben,daß ehemals zuweilen unter 200 Hasplerinnen 30 Fie-berkranke waren, jetzt, seit Einführung dieses zweckmä-ßigen Verfahrens, kaum eine. Auch in Hinsicht der zuhaspelnden Seide gewährt sie einen sehr wesentlichenVortheil; denn bei dem gewöhnlichen Verfahren wirdnämlich das der Seide, welche in den Cocons enthaltenist, beigemengte Gummi, durch das lange Verweilender Cocons in heißem Wasser, zu sehr aufgelöset undder Seide entzogen, welches die nachtheilige Folge hat.