246 Seide und Seidenbau.
Regel, auf die sie sich in Ansehung des Mehr oder We-niger sicher verlassen konnten; auch ist es einer Ab-winden» nicht möglich, jederzeit eine gleiche Anzahl vonKreuzungen zu machen, weil sie genöthiget ist, solchedadurch zu machen, daß sie die beiden Seidenfaden mitder Spitze des Zeigefingers auf den Daumen rollet,dessen Gefühl durch das siedend heiße Wasser, in wel-ches sie alle Augenblicke ihre Finger zu stecken genöchi-get ist, gänzlich verloren ist. Macht sie nun deren zuviel, so sönnen die Seidenfäden nicht mehr übereinandergleiten, und es muß schlechterdings wieder von vorneangefangen werden; macht sie dagegen deren zu wenig,so thut sie nicht alle ihre Wirkung, und das Letzteregeschieht am öftersten. Auch diese Schwierigkeit istdadurch beseitiget worden, daß man für die Abwinden»ein geschwindes und leichtes Mittel angab, wie sie einesolche Anzahl von Kreuzungen machen kann, als der-selben vorgeschrieben worden, und dieses ohne Anrührungdes Seidenfadens. Zwischen den Fadenlöchern undden Fadenleitern ist nämlich ein hölzerner Ring, 1 Zollbreit und 8 Linien dick angebracht, dessen Durchmesser,über die inwendige Rundung gemessen, 6^ Zoll beträgt,und also dem Zwischenraume gleich ist, der sich zwischenden beiden Fadenlöchern befindet. Dieser Ring wirdin die Mitte der Breite der Winde gestellt, und an sei-nen auswendigen Rändern durch 3 Röllchen gehalten,die in einen kleinen hölzernen Rahm eingefaßt sind.An dem auswendigen Rande des Ringes ist eine aus-gehöhlte Stirn, in welcher eine Schnur ohne Endegeht, die sich um eine andere Rolle von gleichem Durch-messer herum dreht, die an dem einen Ende ihrer Achseeinen kleinen Drehgriff hat, den die Abwinderin mitder rechten Hand erlangen kann. Wenn die Abwinde-rin diejenigen Anzahl Fähen von den Cocons, welchedie beiden Seidenfaden ausmachen sollen, durch die bei-den Fadenlöcher gesteckt hat, so nimmt die Drehen»