Seide und Seidenbau. 247
solche sogleich aus den Händen der Abwinderiu, undfieckk jeden Seidensaden durch ein eisernes oder stähle»,nes Ringelchen, das in den inwendigen Rand deshölzernen Ringes eingeschlagen ist, und dann durch denRing der Fadenleiter, von wo aus sie solche bis an denHaspel führt, worauf sie dieselben anlegt. Währendsie dieses thut, macht auch die Abwinden» ihre Kreu.zungen, indem sie bloß den kleinen Drehgriff herum-dreht. Jedes Umdrehen des Drehgriffes macht zweiKreuzungen, von denen die erste zwischen dem Ringeund die zweite zwischen dem Ringe und den Fadenlei.tern geschieht. Wenn daher der Drehgriff zwölsmalherumgedrehet wird, so werden die beiden Seidensadenzwölsmal vor dem Ringe, und zwölsmal hinter demsel-ben gekreuzt, welcheiAnzahl man vermehrt oder vermin-dert, nachdem es die Dicke der Seide erfordert, die manmacht. Außer der großen Leichtigkeit und der ungemei.nen Richtigkeit, mit welcher diese Kreuzungen gemachtwerden, hat man dabei noch den Vortheil, daß mansolche doppelt macht, ohne daß dieses die Seidenfädchenim geringsten verhindert, über einander weg zu gleiten,weil diese größere Anzahl von denselben auf zweimal ge«schiehk, welches zwei Kreuzungen macht, die einen Fußweit von einander geschehen. Da nun die Seide ihrevornehmsten Vollkommenheiten von der Wirkung er-hält, welche die Kreuzungen dabei thun, so ist es leichtzu begreifen, daß je mehr man die Anzahl dieser Kreu-zungen ohne Schwierigkeit vermehren kann, desto voll-kommener wird die Seide, die man macht; denn da derDruck, welchen die Kreuzungen den beiden Seidensadengeben, dazu dient, die verschiedenen Fädchen von denSeidencoconö, aus denen sie bestehen, zu vereinigenund zu verbinden, so ist es ausgemacht, daß, je mehrKreuzungen geschehen, um so größer ist auch der Zu-sammenhang der Fädchen, und folglich muß auch derSeidensaden um so stärker werden. Da nun die Kren-