292 Seide und Seidenbau.
gesehen, wo 200 bis 300 weibliche Personen zugleichmit dem Haspeln beschäftiget waren. Bei jeder Fj.landa waren zugleich die nöthigen Anstalten zum Zwir-nen oder Mouliniren der Seide vorhanden. In derHaspelanstalt des Herrn Mylius zu Bufalora werdentäglich 225 Pfund Seide gehaspelt. In einigen An-stalten werden die einzelne Haspel durch einzelne Perso-nen gedrehet, in andere, namentlich in der des HerrnMyliuS, werden alle zugleich durch Hülfe eines Was- lserrades in Bewegung gesetzt, wie auch. schon obenangeführt worden.
Was «ne Regierung in Ansehung des Seidenbaueseines Landes zu thun hat, hat Herr von Haz.zi in sei-nem oben Angeführten Werke, S. 95 u. f., sehr klarauseinander gesetzt, und ich gebe hier einen Auszug da-raus, in so weit sich dasjenige, waS der genannteSchriftsteller sagt, auf alle Regierungen im Allgemei-nen bezieht. Der Wahlspruch, den Herr von Hazzidabei annimmt, ist: Keine Regie, keine Admi-nistration, keine Beamten, keine Kosten,sondern derSeidenbau soll nur populär —eine Nebensache, ein Nebenverdienst für Ge-sinde, Kinder, Arme, alte Leute werden.Zugleich empfehlen wir ihn dann, nach demBeispiele Griechenlands, Italiens undFrankreichs, den schönen Händen der Da-men, die gleichsam spielend innerhalb sechsWochen eine ihrer schönsten Zierden fürKleider und Möbel — die Seide — ohnegeringste Kosten, selbst sich ziehen können,magdie Verpflichtung einer Regierung da-bei nur auf Ermunterung und Schutz sich be-schränken.
Die Leitung des ganzen Seidenbaues und alle damit
verbundenen Geschäfte übernimmt weit angemessener eine