Seidenmanufaktur. 415
fertigen; es ist uns aber wenig aus den frühern Perio-den derSeiden-Manufakturen bekannt, und sie scheinenin den verschiedenen Reichen Deutschlands nur verein-zelt dagestanden zu haben. Die hauptsächlichste PeriodederDeutschenSeidenmanufakturen beginnt mit derEin-wanderüng der Französischen Flüchtlinge, die nach demWiderruf des Ediktes von NanteS, ihr Vaterland, der- Religion wegen, zu fliehen gezwungen waren, und sichin den verschiedenen Staaten Deutschlands festsetzten.Unter denselben befanden sich, wie auch schon oben, S-49 angeführt worden, viele Seidenweber- die diesenIndustrie-Zweig ihrem neuen Vaterlands mittheilten,und dadurch den nur langsam sich bewegender Fabrikationder Seidenzeuge einen neuen Schwung gaben, und sieauch bald zu einer großen Vollkommenheit brachten.Ein Schriftsteller sagt darüber: „So lange die Deut-sche Seidenfabrikation Kopie der Französischen war,machte sie unerwartet schnelle Fortschritte, nachdem sie^ aber eine selbstständige Bildung erhalten, scheint sie ei-nen Ruhepunkt genommen zu haben, der gleichwohlnicht aus einer Vollständigkeit entspringt, sondern'andere VeranlassungSgründe zu. haben scheint. DerDeutsche Geschmack ist also ein Abkömmling desFranzösischen in den seidenen Waaren, und er behältauch seinen eigenthümlichen Gang, der, wettn ereine Rangordnung erhalten soll, zwischen dein ernsteneinfach und kostbar schweren der Engländer, und demleicht schimmernden, minder kostbaren der FranzosenMitten innen steht." — Wie schon oben, S. 413, be-merkt worden, entstand die Geschicklichkeit der Franzö-sischen Seidenfabrikanten aus einem Gesetze, den Lehr-ling bloß einer Fabrikationsart zu widmen. Die Ver-fassung der Deutschen Seidensabriken erlaubt diese An-wendung nicht; allein sie ist zum großen Theil erreich-bar, wenn der Arbeiter nicht eher zu einer andern Fa-brikationSart übergeht, als bis er sich in einer eine auSge-