444 Seidenschwanz.
die Kälte, und wenn nicht diese, doch das im Winkermangelnde Futter dazu Veranlassung geben soll. AuchOtto hat beobachtet., daß sie bei strenger Kälte in gro-ßen Zügen Pommern verlassen, und wenn der Winternicht so strenge ist, da bleiben; auch auf ihren Rückzü-gen im April sollen sie nur wenige Tage in Pommernbleiben. Nach Krämer*) sollen sie in Oesterreich ingewissen Jahren in großer Anzahl den Winter über inden Wäldern zubringen, jedoch nicht in allen Jahren.Nach Fischer sollen sie in Livland im Spätherbste alsZugvogel häufig ankommen, und sich daselbst von Wach-holder- und Pihlbeeren oder rothen Vogelbeeren näh-ren, und im Winter in Schlingen gefangen werden;sie sind feist und'sehr wohlschmeckend, sie ziehen abergegen den Frühling wieder weg zum Brüten, daherman die Jungen in diesem Lande niemals sieht. NachBrünnick sollen sie sich nicht zahlreich in Christiane,Seeland und Norwegen einfinden. In Konstantino-pel sollen sie alle sieben Jahre nur einmal im Februarankommen. Nach einem Berichte Ges»ere sollendie Seidenschwänze im Jahre 1552 zwischen Maynzund Bingen in so großer Anzahl erschienen sey», daßbei ihrem plötzlichen Davonfliegen, durch ihren Schat-ten es Nacht geschienen. Alles dieses beweiset die Un-ruhe dieser Vögel; aber wie es scheint, ist es noch kei-nem Naturforscher bis jetzt gelungen, zu erspähen,,wodiese Vögel eigentlich hinziehen und brüten. Es müßtedenn in der Tartarey geschehen, wo sie derGrafStra-lenberg, wie auch schon oben angeführt worden, gese-hen haben will.
Die Seidenschwänze sind sehr gesellig, fliegen immerin großen Haufen zusammen, und haben eine besondereLiebe und ein besonderes Freundschaftsgefühl gegen ein-ander, so daß nicht allein das Männchen und Weibchen
*) Lost. x. 363.