Seidenschwanz. 445
sich mit einander liebkosen, und einander füttern, sonder«auch die Männchen, so wie die Weibchen untereinander.Allein diese Zärtlichkeit läßt sie auch oft aus- Unacht-samkeit in die ihnen gelegte Fallstricke fallen; auch ge-hören sie zu den Vögeln, welche am zahlreichsten wegenihrer Dummheit gefangen werden. Man fängt siegewöhnlich mit den Drosseln, die zugleicher Zeit streichen,und ihr Fleisch hat auch mit dem der Drossel einerlei Ge-schmack. Der Fürst von Auersperg zieht ihr Fleisch,als schmackhafter, dem der Drosseln und Amseln vor.Auch Gesner hält sie für ein angenehmes Wildpret,und besonders werden ihre Lebern sehr geschätzt;Schwenk feld will es dagegen nur sehr mittelmäßigund nicht sehr gesund finden. Weil diese Vögel sehrnahe bei einander sitzen, so soll man sie in großer An-zahl tödten können, und Otto will zwanzig Stück aufeinen Schuß haben fallen sehen. Die Nahrung die-ses Vogels besteht in allerlei Gewürm, das er auf demRasen aufsucht; im Winter frißt er Wachholder, undVogelbeeren, wie die Drosseln oder KrammetSvögel.Nach Aldrovand soll er in den Weinländern dieWeintrauben sehr gern fressen, nach diesen die Beerenvom Hartriegel (LäZnstrum), dann Hagebutten, Lor-beeren, Pinien, Mandeln, wilde Stachelbeeren, und dieoben angeführten Beeren. Der eben genannte Schrift-steller hat einen Seidenschwanz beinahe drei Monatehindurch gefüttert. Dieser wollte aber die Epheubee-ren und rohes Fleisch nicht anders, als im äußerstenNothfall fressen; Körner berührte er gar nicht, er trankaber sehr oft und jedesmal mit acht bis zehn Zügen.In Wien versuchte man einen Seidenschwanz im Vo-gelhause aufzuziehen, und fütterte denselben mit weißenBrodkrumen, gehackten Mohren, gequetschtem Hanfsa-men und mit Wachholderbeeren, welche er am liebstenfraß, indessen ungeachtet der größten Sorgfalt undPflege, die ihm ward, lebte er doch nur fünf bis sechs