474 Seidenwirkerey.
Führer oben ist. Man hat nun noch andere Schm-inkten und auch andere Handgriffe bei dem Scheeren.Diese hier beschriebene Scheerlatte ist die gewöhnlichstewelche alle Fabrikanten gebrauchen, die halbseideneZeuge wirken.
Nachdem nun die Werkzeuge und das Scheeren derKette dieses Manufakturisten abgehandelt worden,komme ich zu der Arbeit selbst. Wie schon oben ange-führt worden, besteht die Kette der halbseidenen Waa-ren manchmal aus Seide und Faden von andrer Ma-terie vermischt, der Einschlag ist aber beständig Wolle,Leinen oder Baumwolle. Wenn der Fabrikant halb-seidene Zeuge machen will, die aus Seide und Wollebestehen, wo die Kette aus drei Theilen seidenen und einemTheile wollene Fäden besteht, so wählt er sich hierzueine schlechtere Seide. Er berechnet nach der Breitedes Zeuges, wie hoch sein Blatt, welches er brauchenkann, im Riet stehen muß. Bei z. B. Eilen drei-tem Zeuge, braucht er ein Blatt, das 400 Riet hochsteht. 200 Riet gehören zu den seidenen, und ebenso viel zu den wollenen Kettenfäden. Da aber durchjedes Riet 3 seidene Kettenfäden gezogen werden, soMUß er 600 seidene und 200 wollene Fäden scheeren,das heißt, jede Art besonders. Nachdem er nun weiß,wie viel Fäden er zu seiner Kette braucht, so theilt erseine Rollen mit der darauf gewickelten Seide auf sei'ner Scheerlatte ein, so viel, als er für gut findet, odernachdem es seine Umstände erlauben. Er wollte z. B.seinen Gang zu 30 Fäden scheeren, so braucht er dazu15 Rollen mit Seide; denn selten scheert er einen gan-zen Gang mit einem Male, das ist, er steckt nur seltenso viele Rollen mit Seide auf seine Scheerlatte, als erzu einem Gange Fäden gebraucht, weil solches Schwie-rigkeit bei dem Scheeren verursacht, indem eS demScheerer Mühe macht so viele Fäden mit einem Maleeinzulesen« Er findet es daher am bequemsten gemei-