Seidenwirkerey. 527
jedes Riet vier einfache Fäden eingezogen worden. Ersteht gemeiniglich ein paarhundert Riet im Blatte hö-her, so daß er 11 oder 1200 Riet hat. Im erstenFall muß er 4800 Fäden haben, mit vier einfachen Fädenin jedes Riet gezogen werden. Man scheert solche mit50 Rollen, und wenn man 48 Gänge oder so vielmalherunter- und heraufgeschoren hat, so ist die verlangteAnzahl Fäden der Kette dieses Zeuges geschoren.
Was den Atlas betrifft, so verdient dieser Zeug,dessen Verbindung der Kettenfäden mit dem Einschußeinen langen Köperstrich bildet, wegen seines in dieAugen fallenden schönen Glanzes den Vorzug vor allenglatten Zeugen, und wurde auch ehemals vorzugsweisegetragen; da aber auch er, wie alle andere Zeuge, derMode unterworfen ist, so muß er gegenwärtig allen an-dern Zeugen, als Gros de Naples, Levantine rc.nachstehen. Die Schönheit dieses Zeuges entsteht theilsvon der Auswahl einer guten Seide, theils von einerguten Appretur; hierzu kömmt nun auch die Art seinerVerfertigung; denn da sich in diesem Zeuge ein langerfrei liegender Köperstrich zeigt, der nicht so oft von demEinschlagsfaden eingeschlossen ist, daher mehr frei liegt,als in einem leinwandartigen oder in andern geköpertemGrunde, so erhält hierdurch der Atlas vermöge der Ap-pretur seim in die Auge» fallendes Ansehen. DieserZeug ist gewöhnlich L oder Ellen breit. Man hatvon dem gewöhnlichen Atlas drei Arten, nämlich schwe-ren, leichten und eine Mittelgattung zwischen den ge-nannten. Die ersten beiden Arten stehen gemeiniglich1000 bis 1100 Riet im Blatte hoch; der ganz leichteAtlas soll 900 bis 1000 Riet im Blatte erhalten.Früher wurde, z. B. in Preußen, von dem Fabriken-Departement, nach einem Reglement, für Sammet- undSeidenfabrikanten, sowohl die Riete im Blatte, alsauch die Güte der Seide von den Regierungen bestimmt,gegenwärtig, bei der Gewerbesreiheit, fällt dieses da weg,