184
Scansion.
des Sylbenmaaßes zu verzeihen; in Prosa ist siedaher weniger zu verzeihen. Man gebraucht auch denApostroph, um die weggeworfenen Buchstaben anzu-zeigen, 's, 'r, es, der w.
io) Der Archaismus, veraltete und ausdem Gebrauche gekommene Wörter und Re-densarten, z. B. baß, trauw rc.; sie machenzuweilen, wenn sie am rechten Orte angebracht wer-den, eine angenehme Wirkung, z. B. in den Pro-ben, welche Bürger von einer Übersetzung desHomers gegeben hat. In einer Are von Illusion,durch diese Archaismen hervorgebracht, glaubt maneinen so alten Dichter, als der Homer, wirklich zuhören, wenn unter andern Andromache zum Hek-tor sagt:
Herztrauter Mann, fürwahr! dich fällt noch selbstDein Wagemuth —
oder wenn Hektor der Andromache antwortet:Herztrautes Weib, zerhärme Dich nicht soIn Deinem Sinn —
Geh Du jetzt hin, geh an Dein KunstgeschäftUnd dein Geweb und Spindel heim!
Gebeut auch dem Gesind sein Tagewerk w.
In ganzen Sätzen hat man auch noch n) dieInversion oder Verkehrung der Wortfolge.Sie wird bloß um des Nachdrucks willen gebraucht,der Dichter muß sie nur dann nehmen, wenn ereinen wirklich fruchtbaren Nebenbegriff an die Stelledes gewöhnlichtn Hauptbegriffs setzen will, und soauch der Prosaist; ist dieses nicht der Fall, so wirddie Versetzung fehlerhaft. Ein solcher Fehler kannnun zwar n) um des Reimes, oder Sylben-maaßeö willen begangen werden, wo er Entschuldi-gung verdient, nicht aber wie in den Gedichten derGottschedianer, 1>)wenn trennbare Partikeln der zusam-mengesetzten Zeitwörter aus ihrer gewöhnlichen Stelle