604 Schädel.
iv» dünne Knochen zusammenstoßen setzen die Nähtesenkrecht durch die Knochen, wo sie hingegen dickersind, setzen sie nicht nur schief durch die Knochen,sondern wenden auch mehrentheilö so ihre Flächen,daß ein Theil des Knochenrandes den benachbartenKnochenrand bedeckt, ein anderer Theil allmähligvon demselben bedeckt wird. Auf diese Weise wirddie Krenznaht, die Schuppennaht rc. viel fester. Alle-mal aber sind die Nahte, so kraus sie auch auf derauswendigen Seite erscheinen, auf der inwendigenviel einfacher und übereinstimmender.
Der Nutzen dieser so und nicht anders beschaffe-nen Abgrenzung der Schädelknochen ist nicht deut-lich; denn sie dienen wohl i) nicht, um dem Fort-laufen zufälliger Knochenspalten in Erwachsenen vonäußerer Gewalt Einhalt zu thun, wie die Erfahrungan lebendigen und todten Körpern lehrt; denn imfrischen Zustande halten sie an den Nähten so festzusammen, daß ein Sprung von einem Knochen inden andern, durch diese Gränzen ungehindert fort-läuft; auch zeigt ein wenig Ueberlegung, daß sie zudieser Absicht nicht vortheilhaft genug beschaffen find,Am trocknen Schädel, und selbst nicht allemal andiesem, setzen sie solchen Spalten Schranken; alleinhier stehen auch meist die Nähte widernatürlich aus-einander, 2) Auch zum Durchlässen der Blutge-fäße sind sie nicht bestimmt; denn dazu liegen durchsie weder besonders bequem, nochzeigtsich, daßdurchsiegrößere oder häufigere Zweige gehen/ im Gegentheilsind sie zuweilen so beschaffen, daß sie vielmehr dasDurchlässen hindern. Die feste Hirnhaut aber so-wohl, als die äußere Beinhaut hängt an den Näh-ten etwas fester, als an den übrigen Stellen imKnochen ein. Daß sie den Wachsthum des Schä-dels im Umfange gestatten, ist gewiß; denn wärmdie Kopfknochen bald nach der Geburt ohne Nähre,