Schädel. 505
so könnten sie nicht wachsen, falls die Natur nichteine andere Einrichtung träfe. Der Wachsthum desSchädels kommt also durch diese Einrichtung mitdem WachSthnme aller übrigen Knochen völlig über-ein. Anfangs sieht man durch keine Nähte, sonderndurch Knorpelstreifen an diesen Stellen die Knochengleichsam wie zusammengeleimt zusammenhalten. Nieist aber dieser Knorpelstreifen, außer bei unreifenKindern, von einer merklichen Breite; da folglichdas wachsende Hirn an diesen Stellen den Kopfkno-chen gleichsam sanft aus einander treibt, nimmt die-ser Knorpel zu und würde breiter werden, wenn nichtzugleich das vorige Stück verknöcherte, folglich wach-sen auch die Schädelknochen wie die langen Kno-chen durch die Verlängerung ihrer Enden, oder, wel-ches einerlei ist, ihrer Ränder, doch mit dem Un-terschiede, daß an den langen Knochen keine Nahtzwischen den Enden und dem Mittelstücke entsteht.Eine Naht oder eigentlich der bindende schmaleKnorpelstreifen, ist daher um so weniger kraus undverworren, je jünger das Kind ist; indem aber mitdem Alter zugleich die Knochen durch das zunehmendeHirn aus einander getrieben werden, und an Dickedurch Austragung der Knochenmasse, sowohl nach in-nen, als vorzüglich nach außen, zunehmen (denn dieinnere Tafel scheint früher vollendet zu werden) mußnothwendig diese Krankheit, wenn sie einmal ange-fangen hat, auswendig so lange zunehmen, bis sieselbst am Ende die größte Hinderniß einer fernerenAusdehnung des Schädels durchs Hirn wird, wel-ches gegen die Jahre der Mannbarkeit erfolgt; sehrselten bleibt die Verknöcherung bis ins männlicheAlter aus. Nicht selten verschwindet mit zuneh-mendem Alter, manchmal auch schon bei jüngerenPersonen, eine und die andere dieser Nähte völlig, ohnedie mindeste Spur ihres ehemaligen Daseyns übrig