Band 
Hundert und acht und dreissigster Theil, welcher die Artikel Säure bis Schaf und Schafzucht enthält.
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Schaf und Schafzucht. 549

begabt sind. Ihnen am nächsten kommen dft Zie-gen; allein diese sind gescheuter, als die Schafe,gehen ihren Weg ohne Führer, weichen den Gefah.ren aus, sehen sich den'Hunden, welche man ausScherz auf sie anheht, mit vieler Gewandheit ent-gegen; und machen sich leicht mit neuen Gegenstän-den bekannt; nicht so das Schaf, welches sich ausUnvorsichtigkeit aus einer ' Gefahr leicht in die an-dere bcgiebt, weil Flücht-und Annäherung, beides,ihm fremd sind; des menschlichen Beistandes höchstbenöthtget, wagt es-dennoch nicht, sich so gern demMenschen zu nähern, als die Ziege. Den äußer-sten Grad' von Schüchternheit oder Unempsindlichkeit,welcher unter Thieren möglich ist, beweiset es da-durch, daß es ohne Vertheidigung, ohne Wider-stand, ja ohne sich zu erbittern oder durch ein vomgewöhnlichen Blöcken unterschiedenes Geschrei einigeBetrübniß zu verrathen, sich das junge Lamm vorden Augen wegnehmen läßt. Der Begattungstrieb,welcher bei den Thieren das heftigste Regungsmittelist , reizt'auch den Schafbock oder Widder zu eini-ger Lebhaftigkeit an; er wird muthwillig, kämpftbeständig mit andern Widdern, und wagt sich zu-weilen auch wohl, bei dem Steigen dieses Triebes,an seinen Hirten oder Schäfer; das Schaf hingegenist auch in dieser Periode nicht lebhafter,' als zuvor;es zeigt nur gerade so viel Trieb, als Nöthig ist,um sich den Liebkosungen des Widders hinzugeben;eben so verhält es sich auch beim Aufsuchen ssiner-Nahrung und bei der Unterscheidung seines Lammesvon einem andern. Sein Instinkt ist ganz mecha-nisch und daher auch um so richtiger und zuverläßi-ger. Das jm<ge Lamm sucht unter den zahlreichstenHerden seine Mutter auf, und faßt begierig derenEuter, ohr^,jemals ein unrechtes anzusaugen.

Mit der diesen Thieren eigenen Einfalt paart