52 Feldzug vom Jahr 1646.
auf, und rückte gegen die Lahn, Gießen und Wetzlar. Hier war es nun, wo Wrän-ge! in der Mitte des Junius es erfuhr, was den Marschall Türenne von der Vereini-gung abhielt; und obgleich dieser ihm die größten Hoffnungen gab, der Sache bey sei-nem Hofe einen andern Lauf zu geben, so war doch seine Verlegenheit groß. In derGegend und den Gebirgen, wo er stand, sich zu behaupten, war wegen des Mangelsder Magazine und der Fourage unmöglich. Es blieben also nur zwey Partheyen nochübrig, nämlich nach Wcstphalen zurückzugehen, oder am Eingänge von Hessen Posto zufassen und es zu beschützen. Wählte man das erste, so waren die Hessen ihren Feindenohne Schutz überlassen, und auf den Fall, da die Franzosen wieder zurückkehrten, alleEntwürfe, die man auf die Vereinigung gebaut, im voraus vernichtet. Wrangel alsobeschloß, wo möglich in Hessen sich zu behaupten, und brach diesem gemäß am zwey undzwanzigsten Junius von Wetzlar auf, und rückte über Kirchhayn nach Amdneburg, dasdamals noch eine kleine feindliche Besatzung hatte. Diese ergab sich ohne Accord, wor-auf die Werke geschleift wurden und die Armee am Fuße des Berges campirte, dieStadt vor dem rechten, und Niederseelheim vor dem linken Flügel, in einem Lager, dasvon allen Seiten verschanzt wurde. Indeß folgten auch die Kaiserlichen und Bayernauf dreyßig tausend Mann stark über Friedberg und Gießen den Schweden, und lager-ten sich am sechsten Julius ihnen gegenüber zwischen Homburg und Schweinsberg ander Ohm. Die Schweden lebten damals von den Magazinen der Landgräfin zu Cassel,und der Entwurf der Kaiserlichen war, diese ihnen abzuschneiden. Aber es gelang denSchweden, einen starken Convoi mit einer Escorte von acht tausend Mann glücklich ansich zu ziehen; und es fiengen die Kaiserlichen, die alles aus Franken an sich zogen, nunbereits an, selbst Mangel zu leiden, als die Nachricht vom Anmarsch der Franzoseneintraf. Hieraus zogen sich dieselben zurück, und giengcn am sechzehnten Julius wiedernach Friedberg; die Schweden aber folgten noch vor der Franzosen Ankunft ihnen nach,und lagerten sich in der Gegend von Gießen bey Heuchelheim und Lollcr, sechs Stm*-den vom Feinde.
„Am neunten August vereinigte sich endlich mit ihnen die Türennische Armee, und„die Schweden rückten, als sie ankamen, in Schlachtordnung vor der Front ihres La-gers aus, mit mehr als sieben tausend Mann zu Pferde und sechs bis sieben tausend zu„Fuß, und ohngefähr sechzig Kanonen. Der Marschall Türenne speiscte des Abends„bey Wrangel mit großen F-rendensbezeuguttgen, die Armeen aber machten nur einen„einzigen Tag Rast, weil die Fourage zu mangeln anfieng; am ersten Tage hatte die„französische die Avantgarde, und der Marschall Türenne gab die Parole für diesen
„Tag