Feldzug vorn Jahr 1647 und 1648. 65
„ketten, so die Deutschen machen würden, nach Flandern zu gehn, den Hof nöthigen„möchten, ihnen entweder die rückständigen Gelder zu zahlen, oder sie in Deutschland„zu lassen. Am Tage nach der Ankunft des General Rosen gab der Marschall an alle„Regimenter den Befehl, die Berge von Zabern zu passiren; und man war schon im„der Nähe vom Orte, als die Nachricht kam, daß das Regiment Alt-Rosen sich zu„marschiren geweigert. Rosen war eben bey dem Marschall, als die Nachricht anlang-te; und weil dieser damals noch keinen Verdacht auf ihn hatte, so schickte er ihn zu„seinem Regimente, und folgte selbst darauf nach. Da aber von dem Regimente nichts„zu erhalten war, so gieng der Marschall mit der Infanterie über das Gebirge, und„schickte der ganzen Cavallerie neuen Befehl zum Marsch, überzeugt, daß, wenn er„wegen dieser ersten Meuterey sich aufhielte, der Verzug den andern allen Gelegenheit„geben würde, das Nämliche zu thun. Von der ganzen deutschen Cavallerie gieng„kein Regiment über das Gebirge, als dasRegiment Türenne, weil Alt-Rosen sofort zu„den andern geschickt hatte, und alle in Zeit von zwey Stunden sich mit ihm vereinigten.
„Am folgenden Tage kamen die vornehmsten Officiers von der Armee zum Mar-„schall, und foderten die gesammte schuldige Löhnung; dieser aber zeigte ihnen, wie„unmöglich es wäre, daß sie die Gelder, ehe sie ins Feld gerückt, empsiengen: wenn„sie aber marschiren wollten, so verspräche er alle mögliche Versicherungen von Seite»„des Hofs, die ganze Schuld ihnen zu schaffen. Sie giengen mit dieser Antwort zu-„rück; und am folgenden Tage schickte der Marschall von neuem die Generale Rosen„und Tracy an dieselben ab, um ihnen vorzustellen, wie nachtheilig der Widerstand den„Angelegenheiten des Königs und ihnen selbst in Betracht der Zahlung seyn würde,„wenn sie dadurch den Feldzug verstreichen ließen, ohne Frankreich die gewohnten Dien-„ste zu leisten.
„Als die Herren von Rosen und Tracy zu den Regimentern gekommen waren,„stellten diejenigen Officiers unter ihnen, so die genaueste Verbindung mit dem General„Rosen gehabt, diesem vor, daß die Sachen bereits zu einer Höhe gekommen, wo„man keine Vermittelung mehr hoffen könnte. Würde er sich nun nicht entschließen,„an ihre Tete sich zu stellen, so müßten sie einen andern wählen, und er würde unter„den Franzosen ohne Achtung zurückbleiben. Rosen blieb bey ihnen, und gab vor, daß„die Truppen mit Gewalt ihn zurückbehalten; der Herr von Tracy aber kehrte zurück„zu dem Marschall, und dieser sah in eben derselben Nacht, daß die Bagage des Herrn„von Rosen zu den Revoltirten übergieng, und zweifelte nun nicht mehr, daß der Ge-„neral sich mit den Deutschen verstanden hätte. Die Thaten des folgenden Tages, da