Buch 
Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
Entstehung
Seite
121
JPEG-Download
 

Feldzug vom Jahr 1652. 121

nach Compiegne, wo sie am i7ten Julius unter den Mauern der Stadt das Lageraufschlug.

Kaum war die Armee zu Compiegne, so brachten auch schon die Partheyen dieNachricht von der Einnahme von Chauni, dem Marsche der Spanier nach Fismes,und ihrer Vereinigung mit dem Herzoge von Lothringen. Der Marschall la Fette"gieng mit einem Corps Cavallerie vorwärts nach Chauni, das die Spanier, weil esnicht haltbar war, sofort verließen, und verstärkte Soissons. Die Spanier aber, sodie Gemeinschaft zwischen Paris und sich durch die Armee des Königs unterbrochen sa-hen, konnten nun nicht anders dahin als mit ganzer Armee, wozu sie, wie sehr derPrinz Conde' ihnen auch anlag, dennoch sich nicht entschließen konnten: Detaschementsaber durften sie nicht wagen, weil die Armee des Königs diesen begegnen konnte; siebeschlossen also zurück nach Flandern zu gehn, und ließen ein Corps bey dem Herzogvon Lothringen, der an der Gränze verblieb.

Gegen diese Zeit erhielt der Marschall Türcnne die Nachricht, daß der Herzogvon Bouillon zu Pontoyse mit Gefahr krank darniederläge, und kam in Eil am achtenTage seiner Krankheit, die immer gefährlicher wurde, daselbst an. Die Heftigkeit derParopysmen nahm ihm in den letzten Tagen die Sprache; er behielt aber dennoch seinenVerstand, und war froh, den Marschall Türenne zu sehn. Dieser aber, außer derinnigen Freundschaft, die sie verband, verlor auch in anderm Betracht bey dem Ansehen,das der Herzog damals beym Hofe gehabt, viel. Denn es hatte derselbe in den letztenZeiten vorzüglich gezeigt, daß er auch der größten Geschäffte fähig sey, und hatte, wennman es sagen darf, eine Art zu handeln angenommen, die ihn über die andern erhob.Der Cardinal Mazarin hatte zu ihm ein besondres Vertrauen, und bey der großen Ge-walt des Ministers über die Gesinnungen des Königs und der Königin konnte manallerdings durch ihn allein bey dem Hofe gelten. Der Herzog von Bouillon erlebte denvierzehnten Tag von seiner Krankheit, und starb, von allen, die das Vaterland liebten,bedauert. Türennen aber gieng sein Tod aus Herz, weil er ihn beständig geliebt, undvollkommen von ihm geliebt worden.

Indeß der Marschall auf solche Art zu Pontoyse sich aufhielt, kam die Nachricht,daß die Spanier sich zurückgezogen, und der Herzog von Lothringen mit der hinterlasse-nen Verstärkung allein zurückgeblieben wäre. Weil die Unterhandlungen zwischen demHofe, den Prinzen und dem Parlemente beständig fortdauerten, so wurde gegen dieseZeit der Vorschlag gethan, daß, wenn der Cardinal sich entfernte, alles beygelegt wer-den könnte. Es geschah aber zugleich von Seiten der Prinzessin unter der Hand der

Q Vor-