Feldzug vom Jahr 1654. 161
blieb, suchte er die, so für den bloßen Versuch stritten, zu überzeugen, daß er, statt dieEhre der Truppen und Generale zu retten, sie derselben verlustig machen würde, undbesonders die Generale, die ohne Zweck Menschen aufgeopfert hätten.. Betriebe manhingegen das Unternehmen mit Ernst, so könnte man mit ganzen fünfzehn Bataillonsin Front diesen oder jenen Theil der Verschanzung, den man sich ersehen hatte, alleinattaquiren, so daß einige dieser Bataillons keinen Widerstand finden würden, als höch-stens kleine zerstreute Trupps ohne Vermögen und Nachdruck. Diese würden also fe-sten Fuß fassen können, um den nächsten Truppen, die nicht einzudringen vermocht,den Weg zu bahnen, und Passagen für die Cavallerie zu öffnen. Bey Attaquen desNachts dürfte kein Quartier der Verschanzung es wagen, dem andern sogleich zu Hülfezu kommen, weil jeder wegen der falschen Angriffe für sich selbst müßte besorgt seyn,und alsdenn könnte die Armee, die angriffe, schon längst die Passagen sich geöffnet haben.Das einzige, was man in der That zu fürchten hätte, wäre die Unordnung und dieZufalle, die gar leicht den nächtlichen Märschen begegnen; davon aber wäre er fastüberzeugt, daß, wenn man in den Gegenden, wo man attaquiren wollte, sich gehörigformirte, man alsdenn auch gewiß die Verschanzungcn ersteigen würde. Vor allenaber empfahl er, die Truppen, nachdem sie die Verschanzungen erstiegen hätten, in be-ster Ordnung zu halten, und durchaus nicht übereilt vorrücken zu lassen, weil dies derkützlichste Augenblick und der wahre entscheidende Zeitpunkt seyn würde, wo man dieschärfste Acht und Disciplin halten müßte. Denn die Gefahr, wieder vertrieben zuwerden, wäre allerdings größer, als die Gefahr zu ersteigen, indem man innerhalb derVerschanzungen nicht die Truppen von der Front allein, sondern die ganze Macht dernebenliegenden Quartiere zu beyden Flanquen gegen sich hätte. Also müßte man auchnicht gleich nach dem ersten glücklichen Schritt in die entsetzte Stadt eilen, sondern zuvorlängst der ganzen feindlichen Verschanzung die Feinde zu vertreiben suchen, damit sienirgends zu einem Angriff mit Nachdruck sich sammeln könnten. Aus dieser Art vonUnterredungen ists vermuthlich, daß die Geschichtschreiber die langen prächtigen Redengebildet haben, die sie im Augenblick vor der Schlacht den Feldherren in den Mund le-gen, wenn diese am wenigsten daran gedenken. Freundschaftliche Unterredungen aber,wie diese, scheinen nützlicher, und unterrichten um so besser, weil man die Zeit hat, Einwürfezu machen und sich zu belehren. Der Herzog von Z)ork ist Zeuge, daß der MarschallTürenne also verfahren; ob aber die andern Generale ein gleiches gethan, ist ihm nichtbekannt. So viel ist indessen gewiß, daß nicht das Gewicht der erwähnten Gründe Las Un-ternehmen zur Ausführung gebracht haben, sondern der Befehl des Hofs, der den Ent-
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