»86 Feldzug vom Jahr 1655.
Armee auf, und marschirte über Barlaimont und Marolles bis Vaudegies au Boisgegen Ribemont, weil die Wege völlig verderbt waren, und keine Convois mehr an-langen konnten.
Hier traf beym Marschall ein Secretair des Cardinals mit Namen Ronseret ein,und brachte die Nachricht, daß der Marschall Hocquincourt nach Peronne gegangen,und mit den Spaniern über diesen Platz und Ham in Unterhandlung stünde. Ronse-ret gab zugleich zu verstehen, daß man wünschte, die Armee möchte Peronne sich nä-hern ; ausdrücklichen Befehl aber brachte er nicht. Türenne sagte ihm darauf, er glau-be, daß, wenn die Armee Peronne sich nahte, der Marschall Hocquincourt dadurchzum Aeußersten gebracht würde, und weil es vielleicht noch möglich wäre, die Sache zuvermitteln, so müßte man sich hüten, ihn nicht zu übereilen. Die Armee der Feindewar so zu sagen unverletzt, weil sie beständig in ihrem Lande verblieben; die französischehingegen äußerst geschwächt, theils durch die langen Fatiguen, theils durch den Mangelvon Lebensmitteln, und die Ferne der Plätze, von denen man die Convois an sich zog.Es war also allerdings ein äußerst widriger Zufall, daß man itzt Ursache hatte zu fürch-ten, Peronne und Ham in den Händen der Spanier und des Prinzen zu sehen; zweyso wichtige Plätze an der Somme und ein so beträchtlicher Eingang in Frankreich, umden Krieg bis vor die Thore von Paris und in die Normandie zu spielen. Die Ge-genwart des Prinzen konnte jeden Schritt, den man that, in einen bürgerlichen Kriegverwandeln. Türenne also, der sich an den Hof nach Compiegne begeben hatte, wie-derholte daselbst bey dem Cardinale feinen Rath, die Armee nicht nach Peronne zu zie-hen, und dem Marschall Hocquincourt keinen fernern Anlaß zu Unterhandlungen mitdem Feinde zu geben. Allerdings hatte der Cardinal es gar oft auf dem Herzen, denKönig in Unterhandlung mit einem Unterthan zu sehn, und daß dieser für sich 220,002Thaler, und für seinen Sohn das Gouvernement eines dieser beyden Plätze verlangte.Wenn man aber auf der andern Seite Peronne und Ham in den Händen des Prinzensich dachte, die ganze Armee der Spanier, die in Bereitschaft stand ihn zu unter-stützen, und die Gesinnungen beynahe aller Großen in Frankreich, die nichts als dieersten Unruhen erwarteten, um sich gegen den Hof zu erklären, oder sich wenigstensäußerst theuer erkaufen zu lassen, so schien es allerdings dem Marfchall nothwendig, denCardinal zum Vergleiche zu bewegen. Der Prinz und ein Theil der spanischen Armeelangten während dessen zu Cambray an, und der Marfchall Hocquincourt hatte vierzehnTage lang Gesandte vom König von Frankreich sowohl als den Spaniern bey sich, gabbeyden Audienz, und verbarg keinem, was der andre geboten, als hätte er wirklich
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