Soudis. Souffleur. 61
Soudis, eine kleine Münze, die zu Ornus gangbar istund vier P ayeS gilt, die etwa sechs Pfennige nachunserm Gelde machen.
Souffleur, Einhelfer,, ein Französisches Work, wel-ches auf unsern Bühnen, das heißt, den BühnenDeutschlands, das Bürgerrecht gewonnen hat, unddasjenige Mitglied eines Theaters bezeichnet, welchesden Schauspielern am Abende bei der Vorstellung oderDarstellung ihrer Rolle einhilft, ihnen die Scenendes Stücks in seinem Behältnisse, seinem Kasten,der daher der Souffleurkasten genannt wird,laut vorliefet, damit sie nicht in der Rede stocken. Obder Souffleur der Bühne wirklich nützlich oder ob erderselben schädlich ist, ist schon oft ein Gegenstandder Untersuchung der Theaterschriftsteller und ein Ge-genstand des Streites des Theaterpublikums gewesen.Kotze bue erklärt sich im.vierten Bande seiner ge-
, sammelten kleinen Schriften, S. 98, gegen dasSoufsliren, indem er den Wunsch auöspricht:daß doch einmal ein Deutscher Direktor die verhaßteGewohnheit des Souffleurs ganz abschaffen möchte.Diese Aeußerung Kotzebue'ö, der als glücklicherTheaterdichter mit dem Wesen der Bühne doch sosehr bekannt war, wird aber von Andern gemißbilliget,indem solches eine Radikal-Reform des ganzenThea-ters voraussetzen, oder uns auch wieder jener abge-schmackten Epoche der extemporsten Stücke näherbringen würde, von der wir durch geläuterten Ge-schmack, und hauptsächlich durch gute dramatischeDichter so glücklich entfernt worden sind. Man kannsich nur ein Ideal eines Deutschen Theaters bei diesemWunsche denken, nicht aber wie es wirklich existirt;denn wenn man glaubt, daß durch Abschaffung desEinhelferö oder Souffleurs, auch die dem Zuschauerzuweilen allzubemerkbare und höchst unangenehmeNachläßigkeit des wenig memorirenden Schauspielers