Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
Seite
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62 Souffleur.

wegfalle, irrt sehr; denn diese Nachläßigkeit würdenur noch mehr auffallen; denn wenn die Stücke nichtverschlechtert und die Perioden durch eigene Umwand-lung, zuweilen nicht mehr zum Erkennen, hergesagtwerden sollen, so müßte jeder Schauspieler ein gött-liches Gedächtniß haben, um Stellen in großen effect-vollen Stücken, die dem weniger gelehrten Schau-spieler noch überdies nicht mundrecht sind, ohne diemindeste Nachhülfe des Souffleurs Wort für Wortzu recikiren oder herzusagen. Wenn man auch hiervoraussehen kann und muß, daß ein jeder, der sichder Schauspielkunst widmet, auch vorher sein Ge-dächtniß im Auswendiglernen geprüft haben wird, sotreten doch so viele Fälle ein, wo das Gedächtniß indie Klemme geräth oder gerathen kann, wie z. B. inden Fällen, wenn ein Schauspieler krank geworden,und ein anderer schnell seine Rolle übernehmen muß,oder auch die Aufführung eines ältern Stücks vomPublikum schnell gefordert wird, wo nicht so vieleZeit übrig bleibt, um die Rollen gehörig zu memorirenoder wieder von neuem einzustudieren, in diesen Fällenist ein Souffleur ein schätzbares Kleinod, wenn nichtder Abend dem Publikum, den Zuschauern verdorbenwerden soll. Und dann muß man noch annehmen,daß nicht alle Schauspieler mit einem gleich glücklichenGedächtnisse begabt, aber dost) vortreffliche Darstellerund Münster sind; dagegen mancher Schauspielermit einem vortrefflichen Gedächtnisse begabt, aber einschlechter Darsteller ist. Will nun das Publikum mitschlechtem Darstellern zufrieden seyn, und nur eingutes Gedächtniß bewundern, auch allenfalls eine guteDeklamation, und nur den Souffleur entbehren, oderwill das Publikum lieber den Souffleur dulden undein Stück in allen Theilen der Kunst gut aufgeführtsehen? Diese Frage wird gewiß nicht schwer werdenzu beantworten, indem sich das Publikum gewiß lieber