Souffleur. 63
die kleine Täuschung, oder besser den kleinen Uebel-stand des Sousflirenö wird gefallen lassen. — In er-temporirten Komödien, wo bei fadem Stoffe rundleichtem faßlichen Gange des Süjets, die Gegenredegemeiniglich aus der Rede — oft freilich erbärmlichgenug — stießt, mag noch durch Uebung eine zusam-menhängende Unterhandlung ohne Stoß und Hapernbewerkstelliget werden, obgleich der nachsichtsvolleKritiker mitleidig dabei durch die Finger sehen muß;allein in unfern jetzigen eleganten, fentenzenreichenStücken, wenn gleist) größtentheils Uebersetzuna>enaus oder Nachbildungen nach dem Französischen,möchte es doch wohl zu viel seyn, dem Gedächtnisse,ohne die geringste Beihülfe, eine solche Bürde aufzu-laden. Der Schauspieler soll in die feinsten Nüain-zen dringen, er soll zierlich und elegant, nach derWürde feiner Rolle reden, heißt es da nicht in großentragischen Scenen alle Seelenkräfte anspannen, umAlles zu leisten, und auch nicht in der Rede zu fehlen,auf einen Augenblick zu stocken; und wenn selbst meh-rere Proben vorher abgehalten worden, und es aufden-selben ganz nach Wunsch gegangen, so ist doch dasAuftreten am Abende vor ein großes Publikum, sehrvon den abgehaltenen Proben im engen Kreise ver-schieden. Hier kann sich der Schauspieler in seinemSpiele den Empfindungen überlassen, welche die Rolle,die er übernommen oder die er bekommen, in ihm her-vorbringt, und weil seine Gedanken nicht durch eingroßes, auf die Bühne blickendes Publikum gestörtwerden, sondern die Vorstellung des aufzufassendenBildes in seiner Rolle ihm treu bleibt, so bedarf seinGedächtniß auch nicht, oder doch selten, dieser Nach-hülfe. Ein anderes ist es aber, wenn er vor das Pu-blikum tritt, hier kann ihn das Geringste leicht stören,und wenn er dann nicht gleich eingeholfen wird, soverwirren, daß er sich dieserhalb einer Rüge des Pu-