Souffleur. 65
Sänger aus der Partitur a tempo zu Hülfe kommenzu können; daß er aber so musikalisch sey, um, wiees hier und da üblich geworden, den ersten Ton ange-ben oder wohl gar ganze Passagen einstudieren zu kön-nen, möchte wohl jeher verwünscht, als gewünschtwerden. Dann sei er auch ein Mann von großerAufmerksamkeit und steter Geistesgegenwart, damit erbej etwa vorkommenden unvorhergesehenen Fehlern aufder Bühne sich zu rathen, und solchem, wo nicht abzu-helfen wisse, sie doch wenigstens nicht noch bemerkba-rer mache. Ein Souffleur, der diese genannten Eigeu-schaften besitzt, wird .gewiß bei jeder Bühne von we-sentlichem Nutzen seyn, aber freilich nur so lange einfrommer Wunsch bleiben, als das sonderbare, so un-gerechte Vorurtheil noch existirt, daß der Souffleur erstnach dem letzten Schauspieler seinen Rang erhaltenoder behaupten dürfe. Eine solche Zumuthung hältMänner von Talent ab, sich eines solchen, wahrlichnicht leichten, Geschäftes zu unterziehen, und man er-hält daher immer nur Stümper, die diese Beschäfti-gung nur ergreifen, weil sie aus eine andere Weise sichnicht zu ernähren wissen; denn welcher Mann von Fä-higkeiten wird wohl dem schlechtesten oder unterstenSchauspieler nachstehen, sich wohl gar von ihm wie ei-nen ihm Untergebenen behandelt sehen wollen; wieman eö nur zu oft gewahrt, daß diejenigen, die nichtswissen, sich am meisten brüsten, und denjenigen zu im-poniern suchen, denen sie im Range vorzugehen glau-ben. Der talentvolle Mann kann leicht darüber hin-wegsehen, und verliert dadurch nichts von seinemWerthe bei allen Verständigen, indessen ist nicht jederdazu geeignet, besonders in einem solchen Verhältnisse,wo eine gegenseitige Berührung täglich nicht vermie-den werden kann. Ein Souffleur, wie er eigentlichseyn soll, um der Schauspielkunst wahrhaft zu nützen,ist nach dem Director, und mit dem Theaterdichter und2)er. techn. Enc. Theil 6UVI. E