Souveränität. 91
findet man auch viele junge und unverständige Re-genten, welchen, sobald ihre Eltern mit Tode abge-gangen, und sie anstatt derselben zur Regierung ge-langen, gleich Lunge und Leber im Leibe umgewendetwird, die auch, indem sie sich den Stölzel beißen las-sen, gleich anfangen sich zu brüsten, er o»p»t iniernubilkt conäunt, als ein irdischer Herr Gott einher-gehen, und meinen, solche ihre Herrschaft rühre ei-gentlich daher, daß sie aus vornehmen Stammen undGeschlechtern geboren sind, schreiben also ihre Regie-rung und was derselben anhangt, mehr dem Glückeund leiblicher Geburt, als unserm lieben Gott zu,welches ein großer grober Unverstand ist. Diesemzuwider muß ein junger angehender Fürst oder Re-gent, will er anders nicku ohne Verstand seyn, undsich in seiner Regierung gegen seinen lieben Gottrecht verhalten, wissen und verstehen, daß der Standweltlicher Obrigkeit nicht plumpsweise entstanden,oder eigentlich aus fleischlicher Geburt erwachsen undaufgekommen; auch nicht von einem Menschen, wieweise und vernünftig er auch gewesen seyn möchte,erfunden und erdacht worden, sondern daß Gott vonrHimmel diesen Stand selbst verordnet, die Regentenzu seinen Vasallen, Lehnleuten und Statthaltern ge-setzt, und ihnen noch heutigen Tages das Regimentauf Erden conferire und verleihe, auch conferiren undverleihen werde bis an den jüngsten Tag, da alleObrigkeiten und Herrschaften sollen abgethan undgänzlich aufgehoben werden. — Das wissen und ver-stehen auch unsere christlichen Potentaten. Fürsten undHerren, darum schreiben sie sich in ihren Edicten:Von Gottes Gnaden, bekennen damit, ob siegleich in Kaiserlichen, Königlichen, Fürstlichen, Gräf-lichen lind Hcrrenstande geboren sind, so habe sie dochGott mit der Obrigkeit belehnt, dem sie es auch al-lein zu danken haben.
Nachdem er nun diesen Satz mit Zeugnissen derheiligen Schrift und eigenen Bekenntnissen der Re-genten bestätiget hat, fährt er weiter fort: Wennnun ein junger Fürst, Herr und Regent weiß undversteht, daß er seine Herrschaft von Gott habe, somuß er ferner wissen und verstehen, wie weit sich seine