Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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92 Souveränität.

Herrschaft und Regieramt erstreckt? Da werden nunaberinal viele und sonderlich junge Regenten gefun-den, die das ihnen gegebene und eingeräumte allzuenge spannen, und dieses, weil es eine weltliche Obrig-keit genannt wird, allein auf ihre weltlichen Handelziehen, gleichsam als ob sie mit der Religion oder demGottesdienste und mit der Bibel nichts sonderlicheszu thun und sich derselben nicht anzunehmen hatten,indem sie denken, es sei genug, wenn sie nach derManier der Welt auf großen Rossen und Hengstendaher traben, prangen, prahlen, hetzen, jagen, ren-nen, turnieren, allerlei Wollust treiben, oder sonstnach tragendem Amte weltlicher Händel pflegen, an derReligion und Bibel sei ihnen wenig, ja nichts gele-gen, dürfen wohl sprechen, wie jener Unlust gesagt:Was liiblinl n»n (lc-aviit Aravaiu viril», t»lo8 IIU-, kein tapfrer Mann soll solch Narrenwerk lesen,alte Weiber mrd müßige Leute, die mit weltlichen Ge-schäften nicht beladen seyen, mögen sich darum be-kümmern, was gehen mich der Pfaffen Händel an ?ich habe im A'egierstande mehr zu thun, als ich nurimmer besireitcn kann. Dieses ist abermals ein töl-pischer Unverstand, ja es ist ein großer und schädli-cher Irrthum, noch aus dem Pabstthum herrührend,da man der Obrigkeit die Bibel zu lesen verboten,weil ihr Stand weltlich und sie nicht zruv Prcdigt-amtc gcweihet wäre, welches denn'nn sonderlicherGriff des Teufels gewesen, damit die Fürsten undHerren nicht gewahr würden, wie es in der Kirchezugehe. Dagegen soll und muß ein junger Regentsich fein weltliches Regiment nicht so enge spannen las-sen, oder für seine Perlon es allein auf weltliche Händelziehen und dehnen. Nein, will er ein Fürst, ein Herrnicht ohne Verstand seyn, will er allerley Unrecht zuvorkommen und sich gegen seinen lieben Gott der Ge-bühr nach verhalten, so muß er auch über den rechtenGottesdienst halten, und falsche Lehre in die Kirchenicht eiuschlcichen und also mit allen Treuen ihm Got-tes Wort, die Bibel, besohlen seyn lassen.

Ferner muß ein junger Regent wissen und verstehen,daß gleichwohl in Religisns-, Glaubens- und Mini-stern Sc-chen sein Amt nicht zu weit müsse gedehnt