Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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Souveränität. 93

lind ausgespannt werden, und bei sich wohl erwegen,daß er nicht befugt sei dem Predigkamte vorzugreifenund sich des Kirchenregiments zu unterfangen, vielweniger aus Gottes Wort berechtiget fcyn, seinenPredigern Ziel und Maaß zu stellen, wie und was siepredigen? wie und auf welche Weife sie ihr Etraf-auit und das ganze Kirchcnrcgimcnt fuhren sollen?Traun nein! Ursach, so wenig einem Theologen oderPrediger gebühret, einen Fuß auf der Kanzel und denandern auf dem Rathhanfe oder in der Kanzlei) zuhaben, und sich in fremde und seinem Amte nicht zu-gehörige Handel zu flechten, dabei auch, wenn und woes geschieht, kein Glück noch Segen ist, Gott auchsolches nicht ungestraft laßt; so wenig gebühret einemweltlichen Regenten einen Fuß auf die Kanzel zu fetzen,und dies und das, ohne Vorbewußt, Willen uud Be-denken seiner gottseligen christlichen Lehrer in Kirchen-sachcn anzustellen und anzuordnen. Sollte aber Jemandhier Einrede thun und sagen: Auf die Weise wolltestdu der weltlichen Obrigkeit wieder nehmen, was duihr zuvor aus Gottes Wort zugelegt hast, wirst auchchristliche Kaiser, Potentaten, Fürsten und Herrenverdammen, wenn sie sich der Religion und Glaubensangenommen, dieses und jenes Edikt in Religionsfa-chen anschlagen, diese oder jene Kirchcnordnung fürsich und die ihrigen publicircn und ausgehen lassen?Mir nichten! Wenn aus den Schriften der Prophe-ten und Aposteln klar vor Augen liegt, was man aufGottes Befehl predigen und lehren soll, so mag danndie Obrigkeit die Prediger ansprechen, dieselbe heißenund best bleu dassclbige zu predigen und auszurichten,wie es Gott haben will, wie ein Knecht den andernim Hausregiment anspricht, das zu thun, was derHausherr einem jeden auszurichten insbefondeec be-fohlen hat. — Ferner muß ein junger Herr auch denVerstand haben, daß Land und Leute regieren nichteine geringe Mühe und Arbeit, sondern ein hohes undschweres Werk ist. Junge Leute verstehen das nichtso bald, wenn Gott kommt, uud sie in den Regierungs-stand wirft, gehts ihnen, wie einem jungen Gesellen,wenn ihn Gott in den Ehestand wirft; er sieht dasMägdelein von außen an, weiß aber ihr Inneres