Souveränität.
nicht, und bedenkt nicht, was hernach folgen wird,und so gehts manchem jungen Regenten, wenn er zurRegierung gelangt; es hat das Ansehen, als wenn esein eitel, köstlich Ding mit der Regierung Ware: esscheint und glänzt sehr von aussen, wenn aber diesesund jenes fortfallt, das man verabschieden und erör-tern soll, so sieht er erst, was für ein schönes Werkes sei um die Regierung und wollt lieber davon seyn,wenn er mit gutem Gewissen davon abkommen könnte*).Da muß er denn seinen lieben Gott inbrünstig umWeisheit und Verstand bitten, und die Regierung mitdem lieben Gebete anfangen, und Gott anrufen, daßer wolle mitten im Rathstuhl, mitten in der Audienzund gar oben ansitzen selbst mitrathen und gute An-schlage zeigen und vollführen. Thut nun solches einjunger Regent und Herr, so wird er augenscheinlichspüren und im Werke erfahren, daß Gott in und beiseinem Regimente sei und seinen Segen dazu gebe,daß es wohlgerathe, ja der liebe Gott wird durcheinen solchen gottesfürchtigen Regenten, wie einfältigund nnversiäadig er auch sonst möge geachtet und wohlgetadelt werden, mehr Gutes ausrichten: denn durchsolche Leute, die sich allzuklug und so weise dünkenlassen, als ob sie göttlicher Weisheit und Hülfe nichtbedürfen. — Da er aber ein Mensch Ist, und es darumgar bald und leicht geschehen kann, daß er etwa, wonicht aus Bosheit, doch aus Schwachheit und Un-wissenheit exorbitire, und geschehen läßt oder thut, wasnicht recht ist, muß er, will er anders gegen Gottsich recht halten, sich den Geist Gottes durch denMund treuer Lehrer und Prediger erinnern, warnenund auch strafen lassen. Will er nicht ein Fürst oderHerr ohne Verstand seyn, so muß und soll er wis-sen, daß Obrigkeit, Uükrigkeit sei, wenn Gott durchseine Diener redet, und daß die Prediger auch derObrigkeit Väter seyen, deren väterliche Züchtigung erim Besten aufnehmen und nicht verachten soll. —Aber wie zu Zeiten etliche Regenten in diesem Stücke
*) Diesem Satze widmvrechen alle Erfahrungen bis auf dieneueste oder jüngste Zeit. Krh.