Souveränität. 95
gar keknen Verstand haben, auch nicht wissen, wie siesich in diesem Falle gegen ihren lieben Gott und dasEtrafamt des heiligen Geistes halten sollen, giebt dieErfahrung und der Augenschein. Denn es ist, nachLuthers Weissagung, leider dahin gekommen, daßes die Weltkinder zum ärgsten deuten und aus Unver-stand vorgeben, daß durch die ernste Strafpredigtender weltlichen Obrigkeit Ansehen verringert, die Her-zen der Unterthanen entfremdet, und gleich als Ur-sache zu allerlei Aufruhr und Empörung unter dem ge-meinen Pöbel ausgebreitet werde. Ja man findet wohlan großer Herrn und Fürsten Höfe solche gottlose Rathedie Oo»I»8 Doiiii», seyn wollen, denen das Hauptund der Tauch für Klugheit so enge, daß man ihnenwohl einen eisernen Reif umlegen möchte, also daßsie auch ihnen persuadiren; sie rochen und verstehenviel besser, wie das Ctrafamt zu fähren sei, als ebendie Prediger selbst: die auch wohl aus übermäßigerKlugheit und fleischlichem Witze ihre Herren verhetzen,und ihnen einraunen: man solle oder müsse die Lasterobenhin und ingemein strafen, die Obrigkeit abernicht insonderheit angreifen, denn solches nicht alleinnichts in den Kirchen Gottes erbaue, sondern auchgroßen Schaden thun könnte, ja dürfen sich noch wohldazu verlauten lassen, als wollten die Prediger sichgleich einen Weg zum weltlichen Regimente bereiten,wissen auch aus Gottes Wort Sprüche zu fähren,wie hoch und groß der Stand weltlicher Obrigkeitsei und wie sie Gott mit seinem Namen ziere undGötter heiße; wissen daraus ihre fleischliche Couse-gucnz fein zu machen und zu deduciren : daß die Obrig-keit nicht also, wie andere gemeine Leute, dem Prc-digtamte unterworfen und sich eben so müßten stra-fen lassen, wie der gemeine Haufen, daß demnach diePrediger billig sollten bedenken und ihrer verschonen,und also die Obrigkeit, wie sie es nennen, nicht zuinjuriiren, nicht in Schimpf und Verachtung setzenund Ursache zu Aufruhr und allerhand Uneinigkeit ge-ben. — Ja, sagt 1)>. Luther, wo ein Prediger dieLasier an der Obrigkeit nicht strafte, das wäre viel-mehr aufrührisch, denn damit machet er den Pöbelböse und unwillig und starkete der Tyrannen Bosheit,