Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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Souveränität. 97

hernehmen? Ungeachtet an keinem Orte mehr gefressenund gesoffen wird, als an großer Herrn und Für-sten Höfen, daher es auch in der Regierung leiderso zugeht, daß es wohl besser dachte. — Es ist un-möglich, daß solche Vollzapfen sollen tüchtigeRegenten geben; welches daher denn junge Regentenihnen zur Warnung sollen gesagt seyn lassen, die,wenn sie zusammen kommen, solches für die größteEhre achten, wenn sie viele Stunden Tafel und diesesfür den besten Ruhm halten, wenn einer den anderntoll und voll, ja zum Narren sauft, daß sie vonihren Sinnen nichts wissen. Da nöthigen und zwingensie einander, richten einen Saufkampf an, verschwe-»Lern die herrlichen Kreaturen Gottes, machen ein solchGeschrei und Wesen, daß man nicht weiß: ob's klugeoder tolle Leute seyn? Daß auch ihr eigen Gesind-lein und Hofdiener der trunkenen Herrschaft lachetund spottet. Auf den Morgen sind sie schwach, krankund unlustig, wenn sie zur Kirche gehen, in derAudienz sitzen und ihr ihnen von Gott befohlenesAmt verrichten sollen, da liegen sie zu Bette schnar-chen und schlafen, da werden denn die Handel andernaufgetragen und so verrichtet, daß das Uebel argergemacht wird. — Bors dritte: Ein junger Fürstoder Herr wird sich dann gegen sich recht verhaltenund vielem Unrechte zuvorkommen, wenn er für seinePerson so viel weiß und versteht, daß er im Ein-gänge seiner Regierung nicht zu weich und zu nach-laßig, und dann wieder nicht zu strenge und zu jach-zornig ist. — Denn wenn ein Regent nicht einMannes-, ja Löwenherz hat, sondern ein t^ippus,ein Zkliio, ein Weichling ist, und allzugelinde ver-fahrt, wenn er Alles hinpassiren laßt, auch oft des-bnlb es thut, baß er im Anfange seines Regimentskeine Ungunst will verdienen, und sich dadurch gleicheinen guten Namen zu machen vermeint, da dringtdas Böse mit aller Gewalt fort, da reißen Hummelnund Wespen durch die Gesetze, wie durch Spinnewebe,Mücken und Fliegen aber bleiben hangen. — Mußdeshalb ein Regent wissen, daß ihn Gott dazu be-rufen habe, fein, ernst und strenge zu seyn, wo esnöthig ist, und immer vor Augen haben den SpruchOec. rechn. Enc. Theil 61.VI. G