Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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Souveränität. 99

Vor's vierte muß ein junger Fürst wissen undverstehen, daß er nicht allein göttlichem Befehle, son-dern auch den Satzungen und Geboten, die er nicktohne sonderlichen Hath und Bedenken verordnet, solleund müsse unterworfen seyn; denn es lassen sich oftFürsten und Herren bedäuken, sie seien göttlichen undnatürlichen Rechten nicht, wie andere, unterworfen;so finden sich auch an Herrn und Färstenhöfen vieleTellerlecker, die den hohen Regenten und den jungenHerrn wohl dürfen einbilden und angeben, als warensie weder dem Gesetze, noch den Rechten sich zu unter-werfen schuldig; aber es klappt mächtig übel, wennGott durch seine Diener spricht: Du vermessest dichzu seyn ein Leiter der Blinden, ein Züchtiger derThörichten; du hast die Form, zu wissen, was rechtist im Gesetz, und übertretest es selbst, welches nichtallein von Predigern, sondern auch von Regentenmag gesagt werden. Ach.' ein unartiger Fürst oderHerr, der keinem Gesetze unterworfen seyn will, re-ferier des leidigen Teufels Ebenbild. — Vor's fünftemuß ein Regent eines ehrlichen, aufrichtigen Ge-müths, und kein Zweizüngler und Gleißner seyn, undwissen, daß durch Lügen und den Geiz seine Personzum Höchsten verstellt werde und viel Unrechts ge-schehe, sich deswegen der Wahrheit befleißigen undden Geiz, als den Teufel selbst, fliehen und meiden.Salomo sagt: Ein Herr, der Lust zu Lügen hat,dessen Diener sind alle gottlos; wo nun alle Dienergottlos sind, was will guts daraus werden? nein:Es stehet dem Narren nicht wohl an, von hohenDingen zu reden, vielweniger einem Fürsten, daß erleugnet. Ein großer greulicher Ucbelstand isss, wennein Regent schier kein wahr Wort aus seinem Halsegehen laßt, und Platze leugnet, daß man FriesischeGaule darauf bereiten möchte; aber man will esschier nicht mehr für Schande achten. — Wie kannein solcher Regent den Namen haben, daß er einFürst mit Verstand sei? Was wird er wohl in sei-ner Regierung bauen? Wer will und wird sich aufseine Reden verlassen? Und wer Lügen reden darf,der darf alles andere gewiß auch thun. — Ein Re-giment mit Lügen gefüttert, zergeht; Wahrheit bleibt,

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