Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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102 Souveränität.

im Zorn seine väterliche Liebe und wohlmeinendes Her;spüren, so soll auch ein Regent seine Unterthanen auchfein im Zwange und Gehorsam halten, und es gleich-wohl mir ihnen also machen, daß sie in der Furchtauch seiue Liebe erkennen mögen. O es sieht mächtigwohl in einem Regiment, wenn die Unterthanen dieObrigkeit fürchten und gleichwohl auch herzlich liebenund nicht gerne verlieren möchten. Das isi dos >n-exsnperabile inunimentnm, deren sich auf eine Zeitrühmet Herzog Ulrich von Würtemberg. Er wüßtekeinen Unterthanen in seinem Lande, dem er nicht sicherim wüstesten Walde muttcrallein im Schooße liegen undschlafen wolle.") Wie nun ein Baker, wenn dieKinder kommen, dieses und jenes anbringen und klagen,nicht alsbald ohne Verstand zufahrt und ohne Erkennt-niß der Sache das beschuldigte Kind übel traktirt, son-dern einem jeden Audienz giebt und hört, welches Kindrecht oder unrecht hak, und nach Befinden der Sachengebührlichen Ernst anzuwenden weiß; also soll ein Regent,wenn er sich anders als ein Vater gegen seine Unter-thanen erweisen will, auch thun. Jedermann, so esbedürftig, soll er gern Audienz geben. Klage und Ant-wort soll er zuvor hören, und wohl erwegen, und als-dann erst das Urtheil über die ungerathenen Buben undbösen Kinder fallen; denn es begiebt sich oft, daß dieAntwort so gut und wohl noch besser ist, als die An-klage, und es lautet mächtig übel, wenn man einenan den Galgen hängt oder sonst in einer Rechtfertigungsli exeentione anfängt und nachher fragen läßt:yuist zuris, ob's recht sey?? Hilf Gott! welch eingroßer Trost ist dieses den armen Unterthanen, wennsie wissen, daß, so Jemand ihnen Gewalt und Un-recht thut, sie zu ihrem Landesvater auch einen Zu-tritt und gnädige Audienz bei ihm haben. Ey, wie

*) Dieses Vorrechts erfreuten und erfreuen sich auch die Für-sten unseres Vaterlandes, Preußen; denn kein Band ist wohlinniger geknüpft, als hier zwischen Regenten und Volk, unddieses kann man auch, mit wenigen Ausnahmen, von allenandern Fürsten Deutschlands, sagen und rühmen. Ein nochsichrer Beweis von der Treuherzigkeit und Biederkeit derMehrzahl des Deutschen Volkes, so wie von den Herrscher-tugenden der Fürsten. Klh.