Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
Seite
111
JPEG-Download
 

Souveränität. 1l1

so kräftiger das böse Hofgesinde könne strafen, son-dern daß er seinen hohen, heiligen Stand, darein ihnGott gesetzt, nicht verächtlich mache; denn wie Sp-rach sagt, wer will den bei Ehren erhalten, der seinenStand selbst unehrt, daß auch seine Hofjunkcr undalles Gesinde eine feine ehrerbietige Furcht und Scheuvor ihm haben, welches über alle Maaßen einen jun-Len Regenten ziert. Ach! findet man doch ohne diesbisweilen an Fürsten- und Herrn-Höfen solche un-verschämte Wüstlinge, solche grobe Tölpel uud Flegel,grobe Hölzer (man berücksichtigte die oben angeführteZeit, in der dieses geschrieben worden) aus denenman wohl Sautröge machen könnte; wenn ein jungerHerr sich zuweilen erlustiget, sich mit ihnen ein weniggemein macht, freundlich mit ihnen redet, mit ihnennach Gelegenheit scherzet, so wachst von Stunde anihnen der Muth, sie denken, nun seien sie der Mei-ster Fickfnck, fangen an, mit dem Herrn ziemlich grobzu scherzen, lassen ihn mit ziemlichen Worten an,und gehen mit ihm ohne alle Ehrerbietung dermaßen um,als wenn sie irgend eines Schusters oder SchneidersKuecht vor sich hatten. Widerfahrt nun dies einemRegenten, wenn er zu Zeiten sich mit den Seinigenkaum ein wenig erlustigen will, daß seine Reputationund Ansehen dadurch gleich fallen oder doch sehr ge-schmälert werden wird; was geschieht da nicht, wennein Herr nicht ein fein ehrbar, züchtiges und christlichesLeben vorseincmHofgesindefährtundsichin aller Leicht-fertigkeit übt. Damit aber einem jungen Herrn seineReputation und Ansehen bleibe, und sich seine Rathe,Hofjunkcr und Hofgesinde fein vor ihm scheuen, mußein Regent sich in seinem Christenthume und ganzemLeben fein herrisch zu halten wissen; und wenn ermerkt, daß etliche grobe Gesellen, sie mögen unterden Rathen, Hofjunkern oder sonst unter dem ge-meinen Gesinde stecken, seine Geselligkeit und Fröm-migkeit mißbrauchen uud ihn nicht als einen Herrnrespektiren wollen, so soll er sich dermaßen ausdräk-ken, daß sie inne werden, wen sie vor sich haben,und sich von ihnen nicht verachten lassen.

Im weltlichen Regimente hat es auch Ketzer undRottengeister, die nicht mit dem Schwerdte,