Spanische Tracht. 275
Nationaltracht sieht, in den übrigen großen Städtender Provinzen und auf dem Lande gewahrt man siedagegen häufiger. Besonders phantastisch ist die Klei-dung oder Tracht der Männer in dein KönigreicheSevilla. Sie tragen gewöhnlich einen hochrothenMantel von Seide, und darunter ein Jäckchen undeine Weste, die auch von Seide und gestickt ist; auchdie Strümpfe sind seiden und die Schuhe oft grün mitgroßen Schleifen. Der Hut ist rund, mit sehr breitenKrampen, und von weißer Farbe, der Kopf desselbensehr klein und halb flach, so daß er mit einem schwar-zen Bande unter dem Kinne festgebunden wird. DasSpanische Wort 8omI)v6vo für Hut, welches von8onck>ru, Schatten, abgeleitet worden, ist demnachhier sehr passend. In den andern Provinzen desReichs, Spaniens, tragen sie Mantel von allen Far-ben, sogar von himmelblauem und rosenrothem Taf-fent, jedoch beschränkt sich dieses immer nur auf dieje-nigen Klasien der Einwohner, die, stolz auf ihre Ab-kunft und ihr Vaterland, ihren alten Sitten treu ge-blieben, und von der Mode nicht angesteckt worden.Die weibliche Nationaltracht hat für den er-sten Blick etwas Einförmiges und NonnenhasteS.Das Oberkleid ist schwarz, und der Schleier, welchervor der Brust zusammengeschlagen wird, meistens weiß,jenes heißt kuscjuiuna, dieser Alxmlilla, und beidesind Maurischen Ursprungs; allein bei näherer Be-trachtung bemerkt man bei dieser Einförmigkeit dochAbwechselung, sowohl im Stoffe, als im Schnitte,und besonders in den Verzierungen. Das oft sehr reichgeschmückte Korset, meistens von lebhafter Farbe, rothoder weiß, schimmert auf eine reizende Weise durch denfeinen Schleier, und bildet mit dem schwarzftidenenObergewande einen angenehmen Contrast. Auch denSchleier wissen die Damen auf die mannigfaltigsteWeise anzuordnen, und diese Kopfverhüllung gereicht