312 Spannkraft.
schlaff, so daß davon eine perennirende Kränklichkeitentstehen muß. Vor allen Dingen muß bemerkt wer-den, daß die Erschlaffung in der Spannkraft des Kör-pers nur in solchen Krankheiten Statt findet, welchedem Kranken in sehr langer Zeit das Leben wieder-geben oder den Tod zuziehen, z. B. die Lungensucht,Bleichsucht oder Wassersucht. In denjenigen Krank-heiten hingegen, welche in sehr kurzer Zeit entwederGesundheit oder Tod in ihrem Gefolge haben, der-gleichen alle Arten der Entzündungöfieber sind, ist dieErschlaffung an den festen Theilen nicht anzutreffen,hingegen eine gar zu starke Spannung. Ein Frauen-zimmer, welches die Bleichsucht hat, leidet aus derUrsache an einer merklichen Körperschwäche, weil ihreallzu schlaffen Organe aus Mangel der Elasticitätnicht lebhaft genug in ihre Säfte wirken. Eine Frau,welche an dem weißen Fluß, und ein Jüngling, welcheran zu heftigen Samenergießungen leidet, empfindenbeide an ihren Körpern eine starke Entkräftung, weilnämlich die zu schlaff gewordenen Gefäße beider Per-sonen nicht im Stande sind, die gedachten Säfte beisich zu behalten, sondern solche wie ein Sieb von sichzu lassen, so wird auf diese Art den gesammten Glie-dem des gauzen Körpers nothwendig alle Nahrungentzogen werden müssen, so daß aus Mangel derSäfte nichts Gewisseres, als eine auffallende Schwächeim Körper entstehen muß, welche eine offenbare An-zeige zu seyn pflegt, daß der Körper von einer abzeh-renden Krankheit ausgemergelt worden. Auch die-jenigen pflegen entkräftet zu seyn, welche aus Mangelund aus Abnahme der Spannkraft eine schlechteSaftmischung besitzen; denn da die zu schlaffen Organemit gar keiner lebhaften Thätigkeit in die Safte wir-ken, so wird auch kein gutes Blut gemacht, geschiehtdieses aber, so wird sowohl die körperliche Munter-keit, als die der Seele nach und nach verschwinden.