Sparkasse. 397
guten Erziehungsmethode hauptsächlich auf der Liebeund dem Vertrauen beruhe, welches Kinder zu ihrenEltern, als Erziehern, haben, und daß diese Liebeund dieses Vertrauen sich vorzüglich auf den Begriffder Kinder,-Paß sie alles Gute, was sie haben undgenießen, von ihren Eltern empfangen haben, gründenund sie sich daher zum Gefühl der Dankbarkeit gegenjene verpflichtet fühlen. Wie sehr muß aber durchdieses Verfahren der Eigendünkel der Kinder erregtund genährt werden! Wenn ihnen ihre wenigen, ge-ringen und unvollkommenen Arbeiten so reichlich be-zahlt werden sollen, daß sie von ihrem Verdienstealle ihre Bedürfnisse erkaufen und bezahlen können;so müssen sie nothwendig einen übertriebenen hohenBegriff von der Wichtigkeit und dem Werthe ihrerArbeiten bekommen, so verlieren sie schon früh dasGefühl der Abhängigkeit von ihren Eltern und werdendiesen nicht ohne Widerstreben Gehorsam und Folgeleisten; nur Dankbarkeit und Liebe gegen die Eltern,Demuth, Bescheidenheit nicht allein, sondern auchGefälligkeit, Diensifercigkeit, Mitleiden, Wohlwollenund Wohlthätigkeit sind in Gefahr dadurch im Keimeerstickt zu werden. Denn das Kind, welches nichtsohne Bezahlung erhält, wird auch schwerlich etwasumsonst weggeben, oder eine Gefälligkeit und einenDienst zu erweisen bereit seyn, wo es nicht entwederGegengefälligkeit und Gegendienst, oder doch baareVergeltung zu erwarten habe. Die Bezahlungsme-thode ohne Einschränkung und Modifikation, wie siein jenem Vorschlage empfohlen wird, kann zwarrecht fleißige, thätige, arbeitsame Erwerber und brauch-bare Geschäftsmänner, dabei aber auch stolze, eigen-sinnige und eigennützige, allein nie, wie zu glaubenist, dankbare, bescheidene, gefällige, wohlthätige, edleund großmüthige Menschen bilden. Ob endlich eineso frühzeitige Aufregung und Anreizung der Geldliebenicht höchst gefährlich für die Moralität der jungenSeelen werden könne, und ob die dabei zum Ziele ge-setzte Uebung und Schürfung des Verstandes jenennachthelligen Wirkungen die Wage halte, ist ein psy-chologisches und pädagogisches Problem, welches ichdenen zur Auflösung überlasse, die mehr Seelenkunde,