Sparkasse. 401
richtig; denn nichts führt leichter zur übertriebenenGeldliebe, zum Geize, als das öftere Ueberzählen desGeldes, und das Vergnügen an blanken Thalern. Manhegt Letztere dann immer, bewährtste als das Köstlichste,was man besitzt, und faßt eine Leidenschaft dafür, daßman die höchste Entbehrung erduldet, sich jedes Vergnü-gen versagt, um nur nicht das blanke Geld auszugeben,und diese Leidenschaft wurzelt so fest, nimmt mit denJahren so sehr zu, daß der Grund zum Geize ge-legt wird, ohne daß man es bemerkt. — Erbt nun viel-leicht ein junger Geizhals ein ansehnliches Vermögen,welchen Nutzen wird das gemeine Wesen von seinemgroßen Reichthums haben? Niemand erwartet vonihm, daß er irgend einen wohlthätigen Luxus machen,Jedermann befürchtet, daß er nun jede Kleinigkeit,die ihm gebührt, mit der äußersten Strenge eintreibenwerde. Die Armen erfreuen sich seines Reichthumsnicht, und der Himmel trauert über den Geizhals, wel-cher glaubt Himmel und Seligkeit durch einige Sum-men erkaufen zu können, welche er am liebsten erst nachseinem Tode auszahlen läßt, indem er sogenannte frommeLegate gemacht hat.— Indessen denkt er nicht an denTod und glaubt Methusalems Alter zu erreichen;und sonderbar genug, baß Geizhälse, wegen der strengenDiät, die sie ihres Gelbkastens wegen führen, immer einhohes Alter erreichen, wenn ihnen nicht sonst Unglücks-fälle begegnen. So hart das ersparte Metall ist, so hartist ihr Herz, so trocken und spröde ihr Körper, welchesLetzere auch nur von der Begierde herrührt, mit der sieReichthümer zusammenzuscharren suchen, theils auchvon der Angst und ewigen Besorgniß, daß ihnen ihrGeld entwendet werden könnte. Es ist zwar schondurch viele Beispiele bewiesen, daß des Geizigen Schatzgewöhnlich an lachende Erben kommt, und selten aufden dritten Erben übergeht; allein während seines Le-bens genießen seine Mitbrüder oder Mitmenschen nichtOec. rechn. En<. Theil LUVI. Cc