Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
Seite
405
JPEG-Download
 

Sparkasse. 405

Zu diesem Zwecke hielt nun der Hausvater eine großeSparbüchse von starkem Eisenbleche, in welche ervon jeder Einnahme, die er hatte,'von dem Gewinneeiner jeden Arbeit, eines jeden Geschäftes, das ermachte, ein Gewisses steckte. Wenn nun die Büchseangefüllt war, so wurde das schon ersparte Geldirgendwo auf Interessen gegeben, oder man legte esbei Seite, verwahrte es besonders, und fing von neueman die Büchse auf diese Weise zu füllen. DieserGebrauch war in einer Zeit, wo das öffentliche, dasGeschäftsleben, die Gewerbsamkeit eine ganz andereSeite hatte (denn durch die geschlossenen Zünfte wardem Handwerker ein gewisser Verdienst gesichert, unddie Betreiber der freien Künste und Gewerbe, derWissenschaften, des Handels rc. standen zu der Be-völkerung eines Staates in einem solchen Verhältnisse,wobei sie nur gewinnen konnten), wohl zweckmäßigödkr erfüllte vielmehr den beabsichtigten Zweck; ganzanders ist es aber in der neueren und neuesten Zeitmit einer solchen Sparkasse bei der ganz andern Rich-tung der Gewerbsamkeit, bei der höher steigendenKultur, und der sich dadurch ausgebreiteten Kunstin-dustrie in allen Zweigen der Künste und Handwerke;bei dem Kunst- und Gewerbetriebe durch Gewerbe-freiheit oder Aufhebung des Zunftzwanges, bei derUebervölkerung, kurz bei dem Ueberbieten in allem,was Arbeit, was Gewinn heißt, geworden; jetzt wirddasjenige, was bei einigem glücklichern Zusammen-wirken mancher Umstände zurückgelegt oder erspartward, bei bald darauf folgenden unglücklichen Con-juncturen wieder ergriffen und ausgegeben; ja manmöchte fast sagen, daß bei allen denjenigen, die aufeine unbestimmte Einnahme angewiesen worden, garkein Sparen mehr möglich sei, weil sie bei der jetzigenUmgestaltung der Gewerbsamkeit auf gar keine sichereEinnahme mehr rechnen können; und nur aus solchen