Sparsamkeit. 447
Familie zerrüttet oder doch den Geist der Zwietracht indas Haus führt, die Ruhe und Heiterkeit raubt, unddie Genügsamkeit, und mit ihr die Sparsamkeit ver-nichtet. Hört man nicht jetzt hin und wieder in denFamilien nichts als Klagen über Mangel, über schlechteZeiten? Ueberall Unzufriedenheit mit dem Hausstande,dem Hauswesen; nirgens reicht die Einnahme zu;Niemand ist mit seinem Einkommen zufrieden, weil erdamit nicht seine häuslichen Bedürfnisse bestreiken,keine Familie ernähren kann ; und derjenige Mann, derkeine Familie ernähren zu können vorgiebt, und darumnicht heirathet, hält sich gleichwohl ein Reitpferd, wohntOmmkre »m'iris, trägt sich nach der neusten Mode,ißt in der ersten Restauration, besucht Schauspiele, Bälleund Konzerte, die glänzendsten Kaffeehäuser, und machteinen Aufwand, alövor zweihundert Jahren nicht man-cher Fürst, und doch klagt er, daß er keinen Hausstanderhalten kann; was würde auch dieser, nach dem Maaß-stabe, wie er zu leben gewohnt ist, kosten? Lernte nundieser Mann von seinem Ueberflusse entbehren, so würdeihm nichts fehlen, und er auch nicht zu klagen nöthighaben. — Sonderbar genug ist unsere Zeit! Sie hatMangel und Ucberfluß zugleich, und klagt bei beiden!sie ist arm und reich, und doch nicht glücklich! diesesmacht, weil ihr das glückliche Mittel zwischen beidenfehlt. — Glücklich kann man freilich unser Zeitalterjetzt nicht preisen; denn wo sich die Bedürfnisse häu-fen, wo Glanz und Ueppigkeit thronen, da mehren sichauch die Begierden, und wo diese im Kampfe mit denLebensfreuden treten, da hat die Unzufriedenheit Wur-zel geschlagen, und zerstört den Frieden und die Freu-den der Häuslichkeit. Wenn nun hier die Sparsam-keit als ein Mittel empfohlen werden kann, welchesdiesem Uebel entgegenwirkt, so denke man sich dieselbeaber nicht in dem Grade, daß man gleich den Noma-den seine Bedürfnisse mit den allergewöhnlichsten Mit-