448 Sparsamkeit.
kellt stille; denn die Kultur bedingt Reinlichkeit, Ord-nung Bequemlichkeit und ein Art des Luxus und desWohlstandes, die beim Zusammenleben in der Gesell-schaft, im Staate, durchaus nothwendig sind, um Ge-werbsamkeit und Thätigkeit aufrecht zu erhalten; alleindas ist der Sparsamkeit eigen, daß ihre Bedürfnissedie Bedürfnisse der Natur und Wahrheit sind, abernicht des Vorurtheils, der Einbildung, der Gewohnheit,und daß sie also weniger bedarf, als alle andere Men-schen. Die Kunst-Industrie steht jetzt aufder höch-sten Stufe, stände nur mit derselben gleich auch diehäusliche Ruhe und Zufriedenheit; allein diese hat durchErstere verloren. Alles ist jetzt für die Sinne, abernichts für's Herz, und Letzteres ist gerade das, was Zu-friedenheit giebt. Wenn wir jetzt auf unsere Küche,auf unsere Kleidung, auf unsere Möbel, kurz aufAllesblicken, so staunen wir ob des UeberflusseS, und dochist unter der Menge nur wenig reeller Werth, der unsauf die Zukunft bei Widerwärtigkeiten trösten könnte;und Jemand bemerkt sehr richtig, daß ein Mann, des-sen Glücksstand sich neiget und dessen Familie der Zu-sammenlauf ungeduldig werdender Gläubiger ein har-tes Schicksal drohet, allemal seine Frau, wenn ihr an-sehnlich Eingebrachtes verzehrt ist, damit trösten kann,wenn er sagt: Halte dich an die Geräthschaften, dasHausistvoll! Man legtalso die Kapitalien zum Dienstedes Ueberstusses an; und verliert dabei oft neunzig anHundert. — Ein Anderer sagt: „Es setzt mich in eineArt des Erstaunens, wenn ich der Vervielfältigungunserer Bedürfnisse nachdenke, welche Moden, Ge-wohnheiten und eingebildeter Wohlstand eingeführt ha-ben, und wie viele hundert Menschen sich in Bewegungsetzen müssen, ehe nur ein Einziger erreichen kann, waser zu den Bedürfnissen seines Lebens rechnet, beson-ders seit dem wir gelernt haben auch die Güter jenseitsdes Meeres mit in diese Rubrik zu setzen, und uns