450 Sparsamkeit.
es bis auf die neueste Zeit mit einzelnen Unterbrechun-gen fortgegangen; und wenn auch die neueste Zeit denStolz des Deutschen auf seine Kraft und seine Na-tionalität zu beleben anfing, so hat sie die Sucht oderman möchte lieber sagen die Gewohnheit an das Aus-ländische immer noch nicht vernichten können; er glaubtimmer noch, die ausländischen Fabrikate und Manu-fakten besihen übergroße Vorzüge vor den inländi-schen, der andern Produkte nicht zu gedenken, welcheden Gaumen reizen. Dieses Alles sind nun die bösenGeister, möchte man sagen, welche uns in unsermHaushalte quälen und beunruhigen, und uns oft sowenig vergnügte Stunden gewähren, statt wir beider Sparsamkeit, dem guten Engel, vergnügt undzufrieden leben könnten; denn der sparsame Genuß inAllem erheitert das Leben.— Ein Schriftsteller sagt:*)
Wenn wir unsere Mahlzeiten nach so viel Schüs-seln zählen, als die Verschwendung Gange dazu er-fordert, und bei jeder Gasterei nur die überflüssigenGerichte zurückblicken; wie viel würde dadurch iinGanzen erspart werden, hin und wieder eine Thräneeines Elenden zu trocknen, einen Hungrigen zu er-quicken, einen nagenden Kummer eines Unglücklichenzu stillen, und sein Gut zu wahrhaft göttlichen End-zwecken anzuwenden? So aber bleiben bei der un-ftugalen Lebensart unserer Zeiten auch dem Wohlha-bendsten wenig Mittel übrig, sich eine himmlischeRuhe auf dem Todbette zu stiften, und sich alsdannüber das Bewußtseyn verrichteter Liebeswerke freudigzu beruhigen, wenn man sich der Zeit nahet, da inrichtiger Vergeltung aller Arbeit auch kein Becherkaltes Wasser übersehen werden soll, der einem ar-men Mitbruder zur Erquickung gereicht worden ist.Es ist ein Vergnügen und eine Pflicht der Mensch-lichkeit, gesellig und gastfrei zu seyn; allein wer kanndieses Vergnügens heutigen Tages ohne außerordent-liche Beschwerung genießen. Die Mahlzeiten, welche
Hannöversches Magazin, zr. Jahrgang, St. 2., S. 18 u. f