Sparsamkeit. 451
der Mittelstand gegenwärtig giebt, müssen auf Ju-belfeste, auf Geburtstags- und Kindtaufsfeiern undähnliche seltene Gelegenheiten eingeschränkt bleiben;denn bei einer fortgefttzten Gastfreiheit der Art, wiejetzt die Tische besetzt seyn müssen, würde er darüberverarmen. Wie oft könnten wir nicht Fremde beiuns sehen, ohne der Haushaltung durch den Auf-wand zu schaden, wenn wir mit zwei oder drei aus-gesuchten Schüsseln uns begnügen könnten. EinMann von Verdienst und Geburt gab einer Anzahlaus der Nachbarschaft seines in einen vortrefflichenZustand gesetzten Landgutes geladener Gäste eine Mahl-zeit, die bei allem Beifall der Gäste dies Vorzüglichehatte, daß der Wirth sagen konnte: Meine Herren,ich habe heute das Vergnügen haben wollen, sie al-lein aus meiner Haushaltung zu bewirthen, und esist ihnen kein Gericht vorgesetzt worden, welches meineeigene Wirthschaft nicht hergegeben hätte. Leuchtenuns überall nur solche Muster vor, so ist zu hoffen,daß unsere Zeiten in Ansehung aller Stände sparsamwerden. Man werft hier nicht ein, daß die Machtder Gewohnheit und des Vorurtheils zu stark sey, et-was aufzuheben, welches man schon längst zum Wohl-stände gerechnet hat. Wer herrscht über den Wohl-stand, wer bestimmt ihn, und von wem nehmen wirdie Regeln desselben her? Sind es nicht die Großenin der Welt, welchen nachzuahmen und im äußerli-chen Scheine ähnlich zu werden, den mittlern undniedrigen Stand ein unwiderstehlicher Trieb fesselt?Eine Dame des Hofes, die in einem großen Ansehenstehet, und auf welche Aller Augen gerichtet sind,dürfte nur anfangen, Blätter eines Eichenbaumesstatt anderer Zierden des Kopfes künstlich mit ihrenHaaren vereinigen zu lassen und zu tragen, und mitgrünem Laube geschmückt öffentlich zu erscheinen, undes wäre zu befürchten, daß alle Eichbäume um großeStädte herum bald ohne Blätter dastehen würden.Die Großen sind also die Schöpfer des Wohlstan-des rc.; fangen nun diese nach der in Händen haben-den Macht erst an, in häuslichen Dingen bloß aufdie Natur zu sehen, wie bald würden die zur Nach-ahmung geneigten geringeren Stände auch im Guten