452 Sparsamkeit.
und im Geschmacke an dem Natürlichen ihre Nach-folger werden. Wer gebietet und verschwendet aberaußerdem im Innern der Haushaltung? Wer istdaselbst unumschränkter Herr? Gewiß nicht derWohlstand, der vornämlich nur in dem herrscht, wasden äußerlichen und gesellschaftlichen Theil unseresLebens angeht. Im Innern des Hauses sind wirselbst Herren, Könige, Tyrannen, und erkennen kei-nen neben uns, der hier Gesetze giebt. Gesetzt, wirmüßten in dem Aeußerlichen des gesellschaftlichen Le-bens noch Sklaven des unfrugalen Geschmacks unse-rer Zeit bleiben, und den Tyrannen, die man Eti-quette, Mode, Gewohnheit, Lebensart nennt, fröhnen;wer verbietet uns denn in unendlich vielen andernDingen, die nicht unter so barbarischen Gesetzen, son-dern in unserer freien Willkühr stehen, in die Gren-zen der Natur und Vernunft zurück zu kehren? Unterdie natürlichen Bedürfnisse des Lebens, welche dieSparsamkeit verbannt wissen will, gehören zwei Ar-ten, die nicht anders, als durch ein narkotischesMittel gestillt werden können, welches von der Na-tur ist, daß es diejenigen, die es genießen, einige Au-genblicke sehr lustig macht und aufweckt, hernach ge-schwind tödtet. Diese Bedürfnisse mit ihren trauri-gen Gegenmitteln herrschen häufiger in Städten, alsauf dem Lande, und heißen Spiel und Zeitver-treib. Man kann in Städten schwerlich einen Tagohne dieselben hinbringen. Man bereitet sich, sobaldman das Bette verläßt, dazu vor, und schläft desAbends mit dem Gedanken ein, wie man ihrer desandern Tages wieder genießen möge. Ich hasse eineübertriebene Sittenlehre, die sich immer bestrebt, dasRegister der Sünden zu vermehren, und zu verbie-ten, wo Gott und die Natur nicht verbieten. Ichtadle alle Moralisten, die dasjenige, was der menscheliehen Natur angemessen, was ihrer Wohlfahrt ge-mäß, folglich leicht und angenehm ist, zu schweren,abschreckenden Pflichten machen, und durch ihre zuhoch gespannten Forderungen mehr Lust und Neigungzum Laster, als zur Tugend machen. Ich tadle alsoan sich weder Spiel noch Zeitvertreib, und sehe beidenoft gern mit heiterer Stirne zu. Wenn man aber