Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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Spätregen. Spazieren. 579

alle Kirschen seit einem Monate in England Abschiedgenommen, in der schönsten Reife prangte. Die Re-gentin ward überrascht von diesen Früchten in einerungewöhnlichen Zeit, und fragte den Besitzer, wie die-ses zugehe? Er erklärte nun die botanische Illusionauf folgende Weise: Es wurde um diesen Kirschbaumein Gezelt gespannt, welches er von Zeit zu Zeit an-feuchten oder nässen ließ, nachdem es die Sonnenhitzeerforderte. Auf diese Weise wurde die Sonne abge-halten, die Kirschen wurden groß, vegetirten und reif-ten sehr langsam, und färbten sich viel später. Da ernun von dem ihm zugedachten Besuche der KöniginElisabeth Nachricht von seinen Freunden bei Hofeerhalten, wurde das Gezelt abgenommen, und einigesonnige Tage brachten die Kirschen zur Reife undSchönheit. Derselbe Versuch brachte auch späte Blu-men hervor. Es ist daher nicht nur möglich, sondernauch gewiß, die Natur durch künstliche Mittel eben sogut in ihrer Produktivität aufzuhalten, als sie durchdergleichen Mittel, wie die Treibhäuser, Gewächshäu-ser, daö Anstreichen der Fruchtspaliere mit schwarzerFarbe rc., zu befördern, welches die Erfahrung be-stätiget.

Spätreren, in derDeutschen Bibel, derjenigeRe-gen, welcher in den Morgenländern kurz vor derErndte im April zu fallen pflegt, im Gegensatze desFrühregens. Auch bei uns, wenn die Regenzeit imHerbste sich spät einstellt, sagen die Landleute: wirhaben Spätregen, stellt sie sich dagegen früh oderfrüher ein: Frühregen.

Spatz, der Sperling, eine Benennung, welche die-ser Vogel besonders im südlichen Deutschland führt.S. Sperling.

Spazieren, nach einem Französischen Ausdrucke, pro-meniren, von dem Französischen Zeitworte prorneiisr,ein regelmäßiges Zeitwort derMittelgattung, ein lang-

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