Spazieren. 581
Thier bliebe, eben so sehr versündiget er sich an seinerjetzigen, wenn er bloß Geist seyn, bloß denken undempfinden will. Er muß durchaus die thierischen undgeistigen Kräfte in gleichem Grade üben, wenn erseine Bestimmung vollkommen erreichen will, und be-sonders ist dies in Absicht der ganzen Dauer seinesLebens von der äußersten Wichtigkeit. Harmonieder Bewegung ist die Hauptgrundlage, worauf Ge-sundheit, gleichförmige Restauration und Dauer desKörpers beruht, und diese kann schlechterdings nichtStatt finden, wenn wir bloß denken und sitzen. DerTrieb zur körperlichen Bewegung ist dem Menscheneben so natürlich, wie der Trieb zum Essen und Trin-ken. Man sehe ein Kind an: Stille sitzen ist ihm diegrößte Pein, und gewiß die Gabe, Tage lang sitzenund nicht mehr den geringsten Trieb zur Bewegungzu fühlen, ist schon ein wahrhaft unnatürlicher undkranker Zustand. Die Erfahrung lehrt, daß diejeni-gen Menschen am ältesten werden, welche anhaltendeund starke Bewegung, und zwar in freier Lust hatten.— Ich halte es daher für eine unumgänglich nöthigeBedingung zum langen Leben, sich täglich wenigstenseine Stunde Bewegung im Freien zu machen. Diegesundeste Zeit ist vor dem Essen, oder drei bis vierStunden nachher. Bewegung mit vollem Magen istschädlich, ja sie kann, wenn sie sehr stark und decMa-gen angefüllt ist, gefährlich werden. — Eben in dieserAbsicht sind mitunter angestellte kleine Reisen und Ex-kursionen , Reiten, mäßiges Tanzen und andere gym-nastische Uebungen so sehr nützlich*), und eS wäre
*) Es ist hierüber ein klassisches und unserer Nation Ehre ma-chendes Buch nachzulesen: GuthsmuthS Gymnastik,auch dessen Spiele zur Uebung und Erholung des Körpersund Geistes, für die Jugend.
Hier könnte man noch Vietk's Versuch einer Ln,cyklopädie der Leibesübungen, 2 Tbeile; Berlin,N94-9S, anführen, so wie überhaupt, was die Leibes»