5S6 Spazieren.
sich warm bekleiden, eine wärmere Kleidung anlegen,als sie im Sommer getragen, weil im Herbste der Wech-sel von Wärme zur Kälte, besonders gegen Abend,noch auffallender ist, als im Frühjahre, und aus der sohäufigen Vernachlässigung dieser Regel auch die meistenKrankheiten in dieser Jahreszeit entstehen. Was nundie Bekleidung im Sommer anbetrifft, so wählt manin dieser Jahreszeit wohl die leichteste auf denSpazier-gängen, jedoch muß dieses immer mit Berücksichtigungder körperlichen Anlagen und Neigungen geschehen;denn auch in dieser, als der wärmsten Jahreszeit,muß ein schwacher Körper gut bedeckt seyn, wenngleichnicht in dem Grade, wie in den übrigen Jahreszeiten.Was hier von der Bekleidung gesagt worden, gilt beibeiden Geschlechtern, Männern und Frauen.
Das Zeitwort spazieren kommt,nach Adelung,von dem Lateinischen «psliari, gehen, herumgehen,lustwandeln; im Italienischen spurstur!, und ist imDeutschen schon vor langer Zeit aufgenommen wor-den. Im Theuerdank, Kap.34, heißteö:Darnach begab sich auf ein Zeyt,
Das spaciren ging Unfall o.
Und Hans Sachs singt:
Ale ich vor ein Holz spaciret,
Darin gar wunniglich ho ffiretDer vogel schar.
Adelung sagt: Durch den häufigen Gebrauch istes aber nur noch im gemeinen Leben, und höchstensin der vertraulichen Sprechart üblich. Indessen findetman es doch noch bis auf die neueste Zeit in jederSchrift, und im Hochdeutschen in der Umgangssprache,in der Unterhaltung in den gebildeten Zirkeln gebräuch-lich; und wenn auch das Französische promenirenauf einige Zeit einen Vorrang genoß, so hat es sichdoch nicht so hervordrängen können, um spazierenganz zu verdrängen. Auch findet man hin und wieder