Staatsverbrechen 399
die Verwaltung in diesen Mauern führten, waren sohart als diese, in ihre Brust drang kein Strahl desMitgefühls, des Schmerzes, regte sich keine Empfin.düng für Schuldlose, mithin war sich der Gefangeneallein überlassen; denn wenn ihm gleich Schreibmate-rialien auf Verlangen gereicht wurden, um an dieseoder jene Person zu schreiben, sich für ihn zu verwen.den, so gingen seine Briefe durch die Hände der Ge-fängnißverwalter, und es hing von diesen ab, ob siesolche weiter befördern oder unterdrücken wollten, jenachdem die Instruktion und der Befehl vom Mini-sterium ihnen hier freche Hand ließ, oder sie dahin be-schränkte, die Briefe an dasselbe gelangen zu lassen, umdarüber zu verfügen; auch mußten alle Briefe, Bitt-schriften rc. der Gefängnißpolizey offen übergeben wer-den, und geschah dieses nicht, so wurden sie entsiegelt;denn das Lesen der darin enthaltenen Klagen undBitten, ehe diese Schriften ins Feuer oder in das Ar-chiv zurVergeffenheit wanderten, gewährte den hartherzi-gen Gefängnißobern eine angenehme Unterhaltung.Selbst versiegelte Schriften an Prinzen vom Geblütwurden erbrochen, durchgelesen und nicht abgegeben,sondern unterschlagen; also bekam auch der Monarchnie etwas von dem zu wissen, was in seinen StaatS-gesängnissen vorging. Das Staatögefängniß, dieBastille, hinderte zu sehen und gesehen zu werden, siehielt den Gefangenen nicht nur von allen Nachrichten,die ihn persönlich angingen, ab, ließ ihm zu seinemTroste nichts, womit er sich hätte beschäftigen und zer-streuen können, sondern sie entzog ihm auch die geringsteNachricht über die öffentlichen Angelegenheiten, ja siegestattete ihm auch nicht einmal eine Frage über das-jenige, was in der Welt vorging und vorgegangen warseit der Zeit, daß er eingekerkert worden. So gab esnoch Gefangene, die unter LudwigdemSechzehn-ken ihreKlagen und Bitten an Ludwig den Fünf.