Staatsverbrechen. 33s
Eben so wenig wird durch dieses Mittel die zweite Ab-ficht der Strafen erreicht, nämlich dem Verbrechen da-durch vorzubeugen, daß in dem Herzen der ZuschauerSchrecken und Furcht erregt wird; denn nur zuoft wirken sie gerade der Absicht entgegen; denn nachdem Benehmen des Verbrechers zeigt sich auch dieStimmung des Publikums, entweder mitleidsvoll, be-wunderungsvoll oder Abscheu ausdrückend. DiesesLetztere ist nur der Fall bei abschreckenden oder demPublikum gehässigen Thaten. „Ich rufe sie zu Zeu-gen,meineHerren, daß ich als ein braver Mann sterbe,"sagte Major Andre, der im Jahre 1780 von denAmerikanern zuTarrytown aufgehoben wurde, auf demRichtplatze zu denen, die ihn begleiteten, und diese we-nigen Worte waren von unbeschreiblicher Wirkungauf die Amerikanische Armee. Der Spion verlor sichin dem Helden, und der Unwille machte der Bewunde-rung und dem lauten Lobe Platz. Wenn der Verbre-cher Fühlosigkeit gegen die Strafe zeigt, so benimmter den Zuschauern die Furcht, anstatt sie zu erregen,und ist die Fühllosigkeit mit guter Laune verbunden,wie es oft der Fall ist, so wird der Einfluß auf dieGesellschaft noch nachtheiliger, besonders wenn derVerbrecher die Neugierde der Umstehenden sogar durchsich selbst vertheidigende Reden, durch witzige Anspie-lungen auf seine That oder auf die Menge der Zu-schauer rc. noch mehr erhöhet oder reizt. Giebt derVerbrecher Traurigkeit zu erkennen, welches jedoch zuden selteneren Fallen gehört, so suchen wir Beweg,gründe genug auf, wodurch wir diese Traurigkeit lin-dern, indem wir bei jungen Leuten sie auf verführerischeGesellschaft, oderaufeine vernachlässigte Erziehung :c-,und bei alteren auf Armuth und eine Anzahl andererBeweggründe schieben, die unser aufgeregtes Gefühlausjucht, auch eben so schnell findet, um den Verbre-cher zu entschädigen. Auch wird das aufgeregte Mit-